WEF – ODER DIE METAEBENE DES GREENWASHINGS

Die Metaebene des Greenwashings

Wie für fast alles, das im kleinen Rahmen systematisch schiefläuft, braucht es eine vor- und übergelagerte Struktur, wo die Weichen für die künftigen Missstände im Alltag gestellt werden. Das neulich wieder in Davos abgehaltene WEF lieferte ein Paradebeispiel dafür ab, wie bezüglich echter Nachhaltigkeit auf höchster Ebene lamentiert und geheuchelt wird!

Es soll das grünste WEF aller Zeiten gewesen sein, so verlautbaren es wenigsten dessen Organisatoren. Vegetarischen Buffets und Verzicht auf PET-Flaschen sei Dank! Und für alle, die sich diese wahrlich grüne Wende nicht nur im Kleinen gewünscht hatten, sondern global umgesetzt sehen wollten, für die hatte das WEF Nachhaltigkeit sogar zu einem offiziellen inhaltlichen Leitmotiv der diesjährigen Ausgabe in Davos erkoren. Mit Greta Thunberg und anderen sehr jungen (und weiblichen) Aushängeschildern im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe wurden medienwirksam die grosse Sorge um die Klimaerwärmung mitten ins WEF-Meeting hineingetragen. Niemand sollte auf den bösartigen Gedanken kommen, dass sich die globale Wirtschaftselite und ihre politischen Wasserträger oder moderaten Antipoden nicht ernsthaft dem Klimawandel entgegenstellen wollten. Einer der vielen Haken an der Geschichte: Der wichtigste und vielbeachteste aller eingeladenen Politiker hiess Donald Trump und amtet seit drei Jahren als Präsident der grössten Volkswirtschaft der Welt. Und er unterstrich mit seiner Ansprache in Davos zum wiederholten Male, dass er dem Klimawandel wie gegenüber sämtlichen drängenden Umweltproblemen nicht viel mehr als eine an Schwachsinn grenzende Ignoranz entgegenzusetzen bereit ist. Und wer nun einwenden mag, Trump selber repräsentiere nicht das WEF, sondern sei als wichtiger Staatsführer bloss zur Teilnahme am offenen Dialog in Davos eingeladen, dem lässt sich das Maul ganz leicht mit einem Blick auf die Liste der WEF-Direktionsmitglieder oder der diesjährigen Meeting-Teilnehmer stopfen. Da liest und hört man beispielsweise sehr viel über den neulich kommunizierten Entscheid des weltweit grössten Asset-Managers Blackrock, künftig Klimafreundlichkeit zu einem zentralen Investitionskriterium machen zu wollen. Gleichzeitig jedoch haben zwei Dutzend Finanzdienstleister, welche regelmässig am WEF teilnehmen, seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 über 1400 Milliarden Dollar in fossile Energien investiert. Da hat es das Vegibuffet im Foyer des Davoser Kongresszentrums plötzlich ganz schwer, sich im Kampf um die umweltpolitische Deutungshoheit am WEF zu behaupten.

Profitmaximierung ist nicht nachhaltig!

Das zu tiefst heuchlerische an diesem ganzen PR-Tsunami vonseiten des WEFs sind dessen inneren Widersprüche. Da wird direkt oder indirekt über sämtliche Medienkanäle mit Öko-Schlagwörtern um sich geworfen, dass man vor lauter Grün den Wald nicht mehr sieht. Gleichzeitig sind es in der Mehrzahl die Protagonisten des WEFs selber, welche durch politisches Lobbying erfolgreich verschärfte Umweltauflagen blockieren oder verwässern und in der tagespolitischen Auseinandersetzung bezüglich Umweltfragen ernsthaft so tun, als würde der Markt die längerfristigen Umweltprobleme lösen. Wenn dies wirklich so wäre, dann müsste man auch behaupten, dass zumindest der Westen in den vergangenen Jahrzehnten schon so ziemlich alles dafür getan hat, was ökologische Nachhaltigkeit erfordert. Viel drastischer kann eine ideelle Bankrotterklärung nicht mehr daherkommen. Die Vorstellung, dass der Verwaltungsrat eines börsenkotierten Unternehmens freiwillig den guten Jahresabschluss für seine Aktionäre zuhanden von mehr ökologischer Nachhaltigkeit opfert, erscheint zuweilen grotesk. Da dürften symbolische Abstriche beim Gewinn zwecks, wir kennen es bereits, Greenwashing das höchste aller Gefühle sein.

Die gut geölte PR-Maschinerie des WEFs ändert nichts am Umstand, dass dieses als Forum für eine bessere Welt gegenwärtig unglaubwürdig ist und es voraussichtlich auch bleibt (so ähnlich verlogen wie nun zur Klimakrise hat sich das WEF in den vergangenen Jahren schon zu Fragen bezüglich der sozialen Ungleichheit verhalten). Das WEF ist letztlich geradezu so etwas wie die Metaebene für globales Greenwashing. Wie im kürzlich ausgestrahlten Dokumentarfilm Rettet Davos die Welt in Vollendung zu bestaunen, gilt am WEF in Davos geradezu offiziell die Maxime: Hauptsache, wir haben darüber gesprochen. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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