TATSÄCHLICH ENKELTAUGLICH VS. GREENWASHING #1

Tatsächlich enkeltauglich vs. Greenwashing #1

Die 1618 AG hat sich dem Konzept der Nachhaltigkeit in ihrer ökologischen, sozialen sowie wirtschaftlichen Dimension verschrieben. Zeit, an dieser Stelle mit einem grossen Missverständnis im allgegenwärtigen Nachhaltigkeits-Diskurs aufzuräumen.

Das Schlagwort Nachhaltigkeit ist inzwischen aus kaum einer Marketingstrategie wegzudenken. Inzwischen könnte beim Konsumenten oder der Investorin bei oberflächlicher Betrachtung der Eindruck entstehen, dass es auf dem Markt fast keine umweltschädlichen oder unsozialen Angebote mehr gibt, da inzwischen sämtliche Unternehmen auf Teufel komm raus nachhaltig agieren wollen. Doch natürlich trügt dieser nicht immer ganz so schöne, grüne Marketing-Schein in vielen Fällen, wie man dies ausführlich im Buch Die Grüne Lüge (2018) von Kathrin Hartmann nachlesen kann. Und doch braucht es oft keinen tiefschürfenden Investigativ-Journalisten oder eben eine Autorin, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Ein Blick in den Wirtschaftsteil einer Tageszeitung oder auf die Herkunftsangaben von Produkten im Supermarkt reicht regelmässig vollkommen aus, um die diesbezüglich immer stärker werdende Marketing-Berieselung vieler Grossunternehmen als das zu denunzieren, was sie ist, nämlich Greenwashing! Dabei folgt das Prinzip des Greenwashings häufig dem Schema: tu was Gutes und sprich darüber, schweige aber über den weniger schönen Rest! 

Allgegenwärtig weil lukrativ

Die Gründe für Greenwashing seitens der Unternehmen liegen auf der Hand. Ökologische aber auch soziale Fragen sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen und beschäftigen viele Konsumenten. Deren Sorgen können zumindest in relativ wohlhabenden Gesellschaften je länger je weniger ignoriert werden und fliessen daher vermehrt auch in die strategische Planung der Unternehmen mit hinein. Ein angenehmer Nebeneffekt dabei ist, dass dank dem Nachhaltigkeits-Label höhere Preise verlangt werden können. Ein Aspekt der gerade bei den im Detailhandel scharf kalkulierten Margen nicht zu unterschätzen ist. Doch auch als Schutz gegenüber strengeren Regulierungen macht sich Greenwashing bezahlt, wenn es dann ganz nach dem liberalen Credo der Selbstverantwortung heisst, die Unternehmen würden ja von sich aus die nötigen Schritte für eine verbesserte Nachhaltigkeit vornehmen.Konkrete Beispiele für Greenwashing gibt es unendlich viele und lassen sich überall finden. So zum Beispiel offensiv beworbene Bioprodukte im Supermarkt, die nicht einmal nach den hierzulande geltenden Biorichtlinien produziert wurden. Oder als nachhaltig beworbene Bioprodukte, die tatsächlich Biorichtlinien entsprechen, allerdings von zig hundert Kilometer weit her herangekarrt werden, obwohl sich diese problemlos in der Region produzieren liessen. In anderen Fällen können einzelne Produkte oder auch Produktlinien zu Recht als nachhaltig erzeugt deklariert werden. Allerdings kommt Ihnen dann häufig die Rolle des grünen Aushängeschilds für ein Unternehmen zu, das anderweitig in keiner Weise für Nachhaltigkeit einsteht. Das sieht man beispielsweise im Lebensmitteldiscounter, wo es wenige Meter vom Hühnchen aus regionaler Bio-Produktion das weit billigere Hühnchen aus brasilianischer oder ungarischer Massentierhaltung inklusive erhöhter Antibiotikarückstände (eine ganz besondere Form der Nichtnachhaltigkeit) zu kaufen gibt. Die Unternehmen argumentieren in solchen Fällen gerne mit der freien Entscheidung des Konsumenten, was in der Tat nicht ganz falsch ist. Dennoch: im Marketing des Unternehmens wird das Biohühnchen als Bannerträger für dessen angeblich gelebte Nachhaltigkeit herhalten dürfen, während das billigere Antibiotika-Hühnchen aus Übersee dort aussen vor bleibt. Und so wie der Konsument selber bestimmen kann, welches Produkt er bevorzugt, könnte der Discounter durchaus auch frei entscheiden, was er bereit ist zu verkaufen und was nicht. Das Versteckspiel hinter den angeblichen Kundenbedürfnissen seitens der Discounter erscheint jedenfalls oft genug als ziemlich verlogen. 

Es geht nicht nur um Bio vs. Nicht-Bio

Doch Greenwashing ist nicht bloss eine Domäne der Lebensmittel- oder Konsumgüterindustrie, sondern findet regelmässig auch in höheren Sphären statt. Um dem Anspruch auf ein moralisch reines Gewissen seitens ihrer Anleger gerecht werden zu können, bieten inzwischen viele Finanzdienstleister grüne, soziale oder sonstige als nachhaltig gepriesene Investments an, die dann häufig auch zur Aufpolierung ihrer Corporate Identity genutzt werden. Doch auch hier gilt: wer neben seinen grünen und sozialen Investments, mit welchen er den ethischen Ansprüchen einiger seiner Kunden gerecht werden will, weiterhin fröhlich in Projekte und Anlagen fern jeglicher Nachhaltigkeit investiert, um so seinen weniger moralisch angetriebenen Kunden die gewünschte höhere Rendite zu liefern, dem gehört ebenso der Stempel des Greenwashings aufgedrückt! 

Für uns von der 1618 AG ist klar, dass sich tatsächliche Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit durchaus verbinden lassen. Das Ziel der kurzfristigen Renditemaximierung, immer noch der Haupttreiber in der Ökonomie der Gegenwart, muss aber aussenvor bleiben, soll der Nachhaltigkeitsgedanke nicht zur Farce verkommen! Wir verstehen Nachhaltigkeit als ein umfassendes, in sich konsistentes Handlungskonzept, und nicht als einen einzelnen hervorzuhebenden Einzelaspekt, der sich von den sonstigen Praktiken einer Unternehmung abtrennen lässt. Denn nachhaltig kann etwas nur in seiner Gesamtheit sein, so wie auch ein menschlicher Körper nur dann gesund sein kann, wenn keines seiner Organe allzu fest kränkelt!

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