TATSÄCHLICH ENKELTAUGLICH VS. GREENWASHING #2

Was tun?

Als privater Projektentwickler verfolgen wir ein möglichst konsequentes Konzept von Enkeltauglichkeit. Für uns ist Nachhaltigkeit gewissermassen ein wesentlicher Aspekt unseres Geschäftsmodells, mit welchem wir uns von anderen Anbietern abzugrenzen versuchen. In diesem Artikel soll unser Streben als Kleinunternehmen nach mehr Enkeltauglichkeit einer realistischen Einschätzung unterzogen werden.

Im Rückblick auf das Jahr 2019 stehen in politisch-ökologischer Hinsicht insbesondere zwei Aspekte im Vordergrund. So ist einerseits die Sorge um die Klimaerwärmung definitiv im gesellschaftlichen Mainstream angekommen und hat insbesondere die europäische Jugend gleich mehrmals und zu Zehntausenden auf die Strasse getrieben. Andererseits, und ebenfalls mit der Sorge um die Klimaerwärmung zusammenhängend, verzeichneten die Grünen Parteien Europas Rekordwahlergebnisse. Die Schweiz, sonst so etwas wie der bewährte europäische Sonderfall, bildete diesmal keine Ausnahme. So konnten die Schweizer Grünen 2019 ihre Wählerbasis bei mehreren kantonalen Wahlen ebenso beträchtlich ausbauen wie es ihnen im vergangenen Herbst dann gelang, bei den nationalen Wahlen zu triumphieren. Und auch die hiesige Jugend machte Ernst mit ihrem Frust über tatenlose Politiker, die in den vergangenen Jahren die Klimaerwärmung bestenfalls verbal bekämpften, sofern sie überhaupt den Menschen als dessen Verursacher anzuerkennen bereit waren. Infolgedessen fanden nicht nur übers Jahr verteilt regelmässig Demonstrationen und Aktionen statt, die in ihrer Gesamtheit rasch Bewegungscharakter annahmen, sondern es wurden auch Gruppierungen und Bündnisse geschaffen, die dem politischen Widerstand gegen die Klimaerwärmung künftig einen institutionelleren Rahmen bieten werden. Doch auch über die Klimaerwärmung hinaus prägen Umweltthemen den Massendiskurs. Die fortschreitende Zerstörung der wichtigsten Regenwälder in Übersee sorgten und sorgen weiterhin ebenso für Aufruhr wie Mikroplastik in den Meeren oder erhöhte Pestizidrückstände im Schweizer Grundwasser.

Warum es (auch) die Politik braucht

Als Projektentwickler mit einem umfassenden Anspruch auf Nachhaltigkeit ist unser Fokus grundsätzlich mehr auf das eigene, individuelle Handeln gerichtet. Die zentrale Frage lautet dabei immer Was können wir tun? Damit bleibt man soweit auch mit dem liberalen Credo konform, wonach die Welt durch private Eigeninitiative verbessert werden muss und nicht durch ein Übermass an Regulierungen und Vorschriften. Doch so wichtig diese individuellen, selbstbestimmten Ansätze auch sind, um ein nachhaltigeres Wirtschaften zu ermöglichen, Eigenverantwortung und Eigeninitiative alleine werden den Planeten nicht retten. Und das sagen wir als privates Kleinunternehmen, welches selber durchaus von einem liberalen Gesetzesrahmen zu profitieren weiss. Denn erstens gilt es, bei Vorschriften und Regularien zu unterscheiden. Denn so nützlich einerseits gewisse bestehende gesetzliche Restriktionen auch sind, um soziale und ökologische Nachhaltigkeit zu fördern, reichen diese häufig nicht aus, um die grosse Mehrheit der profitgetriebenen Akteure in umfassender Weise zu einem nachhaltigeren Handeln zu animieren. Andererseits gibt es auch schon jetzt bürokratische Hürden und gesetzliche Bestimmungen, welche jedem Bestreben nach mehr Nachhaltigkeit schlicht zuwiderlaufen und bloss dazu dienen, gewisse Partikularinteressen zu schützen. Gesetzliche Anpassungen tun hier Not! Zweitens, in einigen essenziellen Bereichen der wirtschaftlichen Versorgung lässt sich mit individueller Eigeninitiative herzlich wenig zugunsten von mehr Nachhaltigkeit verändern.

Ein neuer Startup kann noch so innovativ sein und beharrlich konsequent ein Nachhaltigkeitskonzept verfolgen, der Schweizer Energieversorgung oder anderen Grossinfrastrukturen wird er alleine damit nicht den Stempel aufdrücken können. Es sei denn, es werden dafür die Weichen auf politischer Ebene entsprechend so umgestellt, dass neue, nachhaltigere Konzepte dank politischem Flankenschutz tatsächlich umgesetzt und gar standardisiert werden können. Denn durch die Sachzwänge einer zumeist kompetitiven und fast immer profitgetriebenen Ökonomie können substanzielle Transformationen hin zu mehr Nachhaltigkeit nur in Ausnahmefällen alleine durch die Triebkräfte eines funktionierenden Markts realisiert werden. Und genau in diesem Punkt versagen vulgärliberale Patentrezepte, wenn diese alles mit Eigenverantwortung und Innovation durch Private gelöst sehen wollen. 

Auch das Paradigma des postmateriellen Konsumenten, dessen Handeln mehr vom Gedanken der Nachhaltigkeit als von demjenigen der ökonomischen Selbstoptimierung bestimmt werde, wird inzwischen arg überstrapaziert. Denn auch hier gibt es zwei wesentliche Handicaps. Zum einen ist die Mär vom gut informierten Konsumenten in Zeiten von Greenwashing-Marketing und (häufig) legalem Etikettenschwindel nicht haltbar, selbst wenn man ausschliesslich von hochkritischen und investigativ geschulten Konsumenten ausgehen würde. Und zum anderen, und da versagen auch einige Umweltschützer in normativer wie politischer Hinsicht, kann beim Thema Nachhaltigkeit die soziale Frage nicht ausgeblendet werden, da individuelle Konsumentscheide zu einem grossen Teil auch von den jeweils vorhandenen finanziellen Ressourcen abhängig sind. Und da wir in Zeiten einer zunehmend gnadenloseren persönlichen Selbstoptimierung auf der einen und stetig wachsenden Lebenshaltungskosten auf der anderen Seite leben, stellt sich auch bei einem ausgesprochen positiven Menschenbild die Frage, wie das dringlich erforderliche Mehr an Nachhaltigkeit alleine durch Eigenverantwortung erreicht werden soll. 

Ohne die entsprechenden politischen Veränderungen und den damit einhergehenden gesetzlichen Anpassungen wird weder der Klimaerwärmung noch die Überfischung der Meere oder dem Pestizidgehalt im Grundwasser Einhalt geboten werden. Soviel muss allen klar sein! Wir als ein kleines Unternehmen können zwar schon im bereits bestehenden Markt relativ nachhaltig agieren, jedoch beschränkt auf unserer kleinen aber feinen Nische.

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