EMOTION REGULATION #19 – LETZTER BEITRAG

EMOTION REGULATION #19 – LETZTER BEITRAG

Seit zwei Tagen sind wir wieder in Europa.

Wir sind abgereist, als sowohl Israel als auch die palästinensischen Gebiete mit einer dramatischen Situation konfrontiert waren – die Coronapanik ist schlimmer denn je, eine drohende Annexion wird nur durch dringendere Gesundheits- und Wirtschaftsprobleme in den Hintergrund gedrängt, ein Premierminister muss sich bald vor einem Strafgericht verantworten und die Demonstrationen gegen ihn nehmen zu… Weniger sichtbar, aber dennoch von den Medien aufmerksam verfolgt, gibt es ein angespanntes Patt im Libanon, in Syrien und im Iran, bei dem es um das iranische Atomprogramm und dessen Präsenz an der israelischen Grenze geht. Die Verabschiedung von vielen – vor allem palästinensischen – Freunden war nur virtuell möglich.

In anderer Hinsicht ist die Situation leider immer noch sehr ähnlich – kurz nachdem wir vor über drei Jahren mit dem Forschungsprojekt begonnen hatten, wurde eine Grenzpolizistin, Hadas Malka, am Damaskustor in Jerusalem von einem Angreifer getötet. Etwa sechs Wochen vor unserer Abreise wurde ein autistischer israelisch-palästinensischer Mann, Iyad Halak, von der Grenzpolizei in der Nähe des Jerusalemer Löwentors erschossen, und der israelische Premierminister brauchte eine ganze Woche, um Worte des Bedauerns über den Tod eines seiner Bürger zu äussern.

Was wird die Zukunft für so viele Palästinenser und Israelis bringen? Auf einer unserer letzten Wanderungen zum UNESCO-Weltkulturerbe Battir mit einigen unserer palästinensischen Freunde erlebten wir – symbolisch für unsere gesamte Zeit im Land – die Schönheit und Gastfreundschaft, aber auch die Spannungen und eine zersplitterte politische Geografie… Aber auch hier spiegeln sich so viele traurige Abschiede von lieben israelischen Freunden in der sanften Gastfreundschaft der stolzen ‘Moshavim’ Gidon & Gila gleich zu Beginn unseres Aufenthalts wider.

Wir haben mit Palästinensern Oliven geerntet und mit Israelis Kaki-Früchte. Denn neben dem Land geht es hier vor allem um die Beziehungen und Identitäten, die dem Land seine Bedeutung verleihen. Es liegt noch so viel Arbeit vor uns, aber zumindest ist es uns gelungen, die emotionale Dynamik hinter Vorfällen wie den oben genannten ein klein wenig besser zu verstehen. Und wir denken bereits über ein spannendes nächstes Projekt nach…

Dies ist der vorerst letzte Eintrag für unseren Blog ‘Emotion Regulation’, aber wir werden unsere Arbeit im Bereich ‘Berufliche Übergänge’ fortsetzen und möglicherweise erweitern. Die Arbeit im Nahen Osten war – bei aller Härte und manchmal auch Tragik – ein faszinierendes und lohnendes berufliches Abenteuer, und wir wollten mit Ihnen auch die Auswirkungen aus einer eher arbeitsbezogenen Perspektive teilen.

Erfahren Sie mehr hier.

Wir sehen uns irgendwann wieder. Ma Salama & Lehitraot. 

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Oliver Fink

Oliver hat Organisations- und klinische Psychologie an der Universität Freiburg, Deutschland, studiert. Nach seinem Berufseinstieg bei den Schweizerischen Bundesbahnen arbeitete er mehrere Jahre bei einer humanitären NGO, sowohl in Afrika als auch in der Schweiz, gefolgt von einer leitenden HR-Management-Position im Unternehmenssektor und in der Wissenschaft. Zusammen mit seiner Familie lebte Oliver drei Jahre im Heiligen Land, wo er Feldforschung für seine laufende Doktorarbeit an der Universität Basel betrieb. Ende 2020 kehrte er nach Deutschland zurück.

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