EIN GRÜNER DAUMEN IST NICHT IMMER GLEICH GRÜN

Ein grüner Daumen ist nicht immer gleich grün

Dieses Jahr wird voraussichtlich über die Volksinitiative Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz abgestimmt. Die Initiative richtet sich gegen grosse Teile der Bauernschaft, welche für die zunehmenden Mikroverunreinigungen im Wasser hauptverantwortlich sind. Etwas in den Hintergrund gerät dabei das unökologische Treiben mancher Hobby-Gärtner. Dabei gebe es nachhaltige Alternativen.

Dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht unproblematisch ist, bestreitet kaum noch jemand. Pestizidrückstände in Schweizer Gewässern dürften mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch vor der Klimaerwärmung Hauptursache dafür sein, dass die Fischbestände in Schweizer Flüssen und Bächen kontinuierlich abnehmen. Doch auch im Grundwasser werden zunehmend höhere Pestizidrückstände festgestellt. Dabei gehen die Meinungen darüber, wie viel Gift im Trinkwasser unbedenklich sein soll, weit auseinander, wie die laufende Abstimmungsdebatte bezüglich der anstehenden Trinkwasserinitiative zeigt. Für wie glaubwürdig man dabei die Agrarlobby halten mag, die höhere Pestizidrückstände im Trinkwasser für unbedenklich hält, soll an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden. Was aber ebenfalls als sicher gilt ist, dass in der Schweiz seit Jahren die Bienenvölker wegsterben. Und auch da kommt man bei der Ursachenforschung kaum um eine Theorie herum, welche nicht dem weit verbreiteten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln dafür die Hauptverantwortung zuschreibt. Doch alleine mit dem Anprangern der Bauern und ihrer potenten Politlobby ist es noch nicht getan. Denn auch im agrarischen Amateurbereich wird hierzulande kräftig gesündigt. So kommen Privatpersonen kinderleicht und kostengünstig an hochgiftige Pestizide, die nachweislich für Wasserorganismen äusserst schädlich und je nach Konzentration auch für Menschen alles andere als unbedenklich sind. Nur die wenigsten Produkte, die in der konventionellen Landwirtschaft zulässig sind, können von Privatpersonen nicht erworben werden. Zwar geht der Löwenanteil der hierzulande eingesetzten Pflanzenschutzmittel auf das Konto der Bauernschaft, trotzdem sollte man die Auswirkungen der geschätzten fünf bis zehn Prozent aller eingesetzten Pflanzenschutzmittel, rund 200 Tonnen, die von Hobbygärtner jedes Jahr versprüht werden, nicht unterschätzen. Dies unter anderem auch deshalb, weil letztere die giftigen Produkte häufig besonders unsachgemäss verwenden. Zudem fällt bei den Schweizer Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner die strategische Dimension der Versorgungssicherheit als Argument für ihren Chemieeinsatz praktisch gänzlich weg. Man kann das Argument mancher Bauern, dass bei einem Verzicht auf Pestizide mit Ertragsausfällen von bis zu 40 Prozent gerechnet werden müsse, noch so zu Recht anzweifeln, bei Hobbygärtnern ist dieses von vornherein nicht zulässig.

Permakultur? Genau!

Wer als Hobby dem Gemüseanbau oder der Botanik frönt, kann keinen überzeugenden Grund vorweisen, der es ihm erlaubt, das Grundwasser mit zu verseuchen oder dem Artensterben Vorschub zu leisten. Er (oder Sie) kann nicht damit argumentieren, dass er ohne Pestizideinsatz in seinem Privatgarten sich oder seine Kinder nicht ernähren könne. Vielmehr geht es den Hobbygärtnern in der Schweiz, in anderen Regionen Europas oder der Welt mag dies anders sein, um den Spass am Kultivieren von Pflanzen. Man freut sich darüber, dass die Tomaten so toll gedeihen oder dass man im Vergleich zum Vorjahr diesmal den Salat so prächtig hingekommen hat. Warum soll an dieser Stelle der ökologische Aspekt nicht auch Teil der Erlebniswelt Gartenbau sein? Denn es ist alles andere als unmöglich, auch ohne umweltschädigendes Verhalten einen tollen Garten hinzubekommen, wie das Beispiel der Permakultur zeigt.

Das Konzept der Permakultur, der Begriff steht für dauerhafte Landwirtschaft, wurde in den 1970er Jahren von Bill Mollison und David Holmgren als nachhaltiges Konzept für Landwirtschaft und Gartenbau entwickelt. Dabei werden natürliche Ökosysteme und Kreisläufe, wie sie in der Natur bereits existieren, analysiert und möglichst konsequent nachgeahmt. Ein wesentlicher Grundgedanke der Permakultur liegt darin, möglichst auf energieintensive und umweltbelastende Technologien zu verzichten und anstatt dessen durch biologische Ressourcen zu ersetzen. Permakulturen werden als räumliche Bio-Systeme aufgefasst, welche sich zeitlich unbegrenzt selbst reproduzieren und durch ihre ökologische Harmonie sehr robust zu werden vermögen. Permakulturen beinhalten immer das Zusammenleben verschiedener Pflanzen, grundsätzlich aber auch von Menschen und Tieren auf einem relativ kleinen Raum, womit sie der für die industrielle Landwirtschaft typischen Monokultur diametral entgegensteht. Und ganz wichtig: Pestizide und Ähnliches sind in Permakulturen nicht zugelassen.

Nachhaltigkeit im Kleinen wie im Grossen

Nachhaltigkeit ist beim Konzept der Permakultur nicht nur ein erfreulicher Nebenaspekt, sondern die zentrale ethische Prämisse überhaupt, wenn auch nicht die Einzige. Alleine die Tatsache, dass die Permakultur einen möglichst eng an die Natur angelehnten Reproduktionszyklus langfristig zuoptimieren versucht, anstatt kurzfristig den Output zu maximieren, ist im Hinblick auf die weltweit schwindenden Bodenreserven ein äusserst starkes Nachhaltigkeitsargument für die Permakultur als Anbaumethode, da die Böden so langfristig kultivierbar bleiben und nicht ausgezehrt werden. Auch der weiter oben bereits angesprochenen Abnahme der Artenvielfalt kann mit der Permakultur effektiv entgegengetreten werden. Und letztlich hilft uns die Permakultur auch, unsere Landwirtschaft etwas zu dekommodifizieren und die Lebensmittelgewinnung wieder zu einem natürlicheren, dezentraleren und sorgfältiger gehandhabteren Aspekt unseres Alltags werden zu lassen. Etwas, was man sich in Zeiten von Food Waste in einem geradezu perversen Ausmass sowie regelmässigen Lebensmittelskandalen nur wünschen kann. Weitet man seinen Blick auf die Probleme von Entwicklungs- und Drittweltländern aus, verstärkt dies die Offensichtlichkeit des Handlungsbedarfs in diese Richtung nur noch zusätzlich.

Man braucht definitiv keine esoterische Ader zu haben oder ein Ökofundamentalist zu sein, um die durch und durch rationalen Argumente für die Permakultur anzuerkennen. Als Hobbygärtner, der sich nicht mit Grossverteilern wegen zu geringer Margen rumschlagen muss und deshalbum sein Überleben fürchtet, erst recht nicht!

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