Ökologie , Ökonomie , Soziales

DIE AUENHOFER GURKE UND IHRE SPANISCHE COUSINE

Für gewöhnlich darf man sich glücklich schätzen, wenn aus einer Aus- oder Weiterbildung hier und da einmal eine richtig gute, neue Erkenntnis gewonnen wird. Zumindest für einen Autodidakt wie mich ist das so. Was uns Marcus Pan (down to earth) in seinem Permaculture-Design-Intensiv-Kurs geboten hat, war eine Offenbarung nach der anderen, zehn Tage Philosophie am Stück. Life-changing – für mich ganz bestimmt! 🌀 Gartenbau war hier nur vordergründig das Thema. 

Aber warum überhaupt Permakultur? Die Antwort ist einfach: Ich habe drei Kinder und kann ihnen die untenstehende Geschichte nicht erklären, welche exemplarisch für unser wirres System steht. Im Original verfasst von Hans Cronau und über 30’000 Mal auf Facebook geteilt. 

Wie erkläre ich es meinen Kindern?

Marcus (im Bild oben während der Kurses auf dem Auenhof) geht in seinen Gemüsegarten, pflückt sich eine frische Gurke und isst sie mit Genuss. Und er ist einer der sehr wenigen Menschen, der das tun kann. 
 
Remo, der Sachbearbeiter eines Schweizer Grossverteilers, der einer Handvoll Finanzinvestoren gehört, hat durch einen Algorithmus, der von Srinivas, einem indischen IT-Entwickler programmiert wurde, herausgefunden, dass in Spanien gerade die Gurken reif und besonders günstig sind. Nachdem er die Zustimmung seiner Chefin Sandra eingeholt hat, ordert er 50’000 Gurken auf einer Gemüsefarm in der Nähe von Sevilla, die einem französischen Agrarkonzern gehört.
 
Dafür, dass auf den Feldern nur Gurken wachsen, sorgt ein Unkrautvernichtungsmittel, welches von einem Basler Chemiekonzern produziert wird. Es kostet nicht viel, die Produktion ist in Südamerika. Es ist allerdings nicht besonders gesund. Das merkt Nelson, der die Gurken erntet. Er hustet viel in letzter Zeit. Nelson ist ein Flüchtling aus Afrika, der illegal auf der Farm arbeitet. Er lebt in einer Baracke neben den Gewächshäusern. Deshalb kostet das Ernten der Gurken nicht viel.
 
Bevor die Gurken verladen werden, werden sie mit einer luftdichten Plastikfolie überzogen. Die Folien stammen von einer mittelgrossen Chemiefabrik bei Erfurt. Sie kostet nicht viel, die Produktion ist voll automatisiert und wird nur noch von einem Menschen, dem Mechatroniker Maik, gesteuert. Ein Lastwagen der italienischen Firma Iveco, die der Fiat Industrial gehört, die wiederum einer internationalen Holdinggesellschaft gehört, transportiert die Gurken in die Schweiz. Der Transport kostet nicht viel. Der Diesel wird steuerlich subventioniert und der Fahrer, Muzafer, stammt aus Albanien. Er lebt die meiste Zeit in dem LKW und fährt nur im Urlaub zu seiner Familie nach Hause. Er fährt die Gurken zur Logistikzentrale des Konzerns in Liestal. Das Lagern kostet dort nicht viel, die Stadt hat das Grundstück praktisch umsonst an den Konzern abgegeben. Sie war scharf auf die Gewerbesteuer. Von Liestal aus werden die Gurken an die Läden verteilt. Die Verteilung der Waren auf die LKW steuert ein Computer, er hat keinen Namen. Janosz, der Fahrer des LKW, in den unsere Gurke jetzt verladen wird, ist aus Polen. Er lebt den grössten Teil des Jahres in seinem LKW.
 
Unsere Gurke landet bei einem Discounter in Zürich. Die Verteilung übernimmt Stefan. Er ist gelernter Landwirt, der väterliche Hof ist Konkurs, weswegen Stefan seit einiger Zeit arbeitslos ist und in dem Laden im Rahmen einer arbeitsbeschaffenden Massnahme tätig ist. Er kostet seinen Arbeitgeber nicht viel.
Irgendwann kommt der Bauer Martin in den Laden. Er hat keine Zeit mehr, Gurken zu ernten. Er produziert jetzt Mais für Biotreibstoff. Er tut das sehr rationell unter Einsatz von viel Chemie, Gülle und Maschinen und sitzt den ganzen Tag auf dem Trecker. Deshalb kostet der Biosprit nicht viel.
 
Zuhause zieht Martin die Plastikfolie von der Gurke ab und wirft die Folie in den Müll. Er macht seiner Tochter einen Gurkensalat. Die Gurke war jetzt acht Tage unterwegs. Sie sieht durch die Folie noch knackfrisch aus, enthält aber keine Vitamine mehr. Und sie schmeckt fade.
 
Epilog: Zweihundert Jahre später fliegt Martin’s Ururururenkel an einem Küstenstreifen in Dänemark eine dünne Plastikfolie ins Gesicht. Was er nicht weiss: Es ist die Folie von Martin’s Gurke. Der Abfallentsorger hatte den Müll zum Recycling  nach Bangladesch exportiert, er landete dort auf einer Deponie am Meer…. Aber das ist eine andere Geschichte.

#transition2impact – Ich habe alle meine Zelte abgebrochen, bin zu Marcus Pan auf den Auenhof “gezogen”, um dort den PDC (Permaculture Design Course) zu belegen und gleich danach bereits die ersten Projekte zu planen und umzusetzen. Geeignete Höfe für den Einstieg habe ich gefunden. Neustart auf allen Ebenen des Seins. (*)

(*) Ein Gedanke, der mir sehr am Herzen liegt, an dieser Stelle aber den Rahmen sprengen würde. Sobald formuliert, wird er nachgereicht.

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