CVP GROSSRÄTIN STENICO TORPEDIERT CAMPUS LINDENBERG

Eigentlich habe ich den Informationsabend, den das Projektteam für die Nachbarschaft des geplanten Campus Lindenberg am 28. September 2020 im verträumten Winterschwil organisiert hatte, als gar nicht so schlecht empfunden und alle Fragen die mir, meinem Kollegen aus dem Projektteam und dem Vertreter der Eigentümerschaft des seit vielen Jahren leerstehenden Hofs, der ebenfalls anwesend war, gestellt wurden, haben wir soweit möglich beantwortet und konnten auch mit einigen Missverständnissen aufräumen. Ein konstruktiver Abend in meinen Augen. Und unserer Einladung in die ‘Alte Mühle’ war trotz des frischen, herbstlichen Wetters der Grossteil der Nachbarn gefolgt, was mich sehr gefreut hatte.

Bestimmt haben unsere Antworten (noch) nicht allen Anwesenden gleich gut gefallen. Das gehört zu einem solchen Unterfangen und zu einem demokratischen Prozess dazu. Dem Abend folgend durfte ich dann auch viele Telefonate führen und den Austausch bilateral weitertragen. So soll es sein.

Umso überraschender erreichte mich dann ein Artikel aus der Aargauer Zeitung, veröffentlicht wenige Stunden nachdem wir uns mit den Nachbarn ausgetauscht hatten, verfasst von einem an dem Abend nicht anwesenden und mir unbekannten Marc Ribolla, der interessanterweise nicht einmal für die Region zuständig ist. Offenbar hatte sich Herr Ribolla von CVP Grossrätin Franziska Stenico, einer direkten Nachbarin des in Rede stehenden Hofs, zu seinem Worterguss verführen lassen. Leider hatte es Herr Ribolla mit seiner Recherche nicht allzu genau genommen und es versäumt mit irgendwem sonst – ausser Frau Stenico – zu reden, bevor er gegen mich persönlich und die Idee einer Montessori Schule im Freiamt gewettert hat. Weder sonst ein Nachbar oder jemand aus dem Projektteam, auch nicht die Verkäuferschaft, der Aargauer Heimatschutz oder der Gemeinderat wurden von Herrn Ribolla kontaktiert, deren Meinungen allerdings fälschlicherweise vorweggenommen. Journalismus geht anders. Ich habe Frau Stenico, dem Schreiberling Ribolla und der Redaktion der Aargauer Zeitung angeboten, dass wir uns zusammensetzen und die Missverständnisse klären. Mein Angebot blieb bisher unbeantwortet. Auch auf meine Frage, welche alternative Lösung sich Frau Stenico denn für den Meienberg-Hof vorstellen könnte, habe ich bis heute keine Reaktion erhalten. Leider hatte sich Frau Stenico an dem Informationsabend nicht wirklich zu Wort gemeldet, sondern wohl einfach auf den mit der Aargauer Zeitung abgesprochenen Artikel gewartet.

Warum Frau Stenico, wohlgemerkt aus ihrer Rolle als CVP Grossrätin heraus, unbedingt die Schaffung von 20 neuen Arbeitsplätzen sowie die Sanierung des historisch verankerten Meienberg-Hofs und damit 10 Millionen Franken Investition auf Biegen und Brechen verhindern will, bleibt mir schleierhaft.

Viele verschiedene Nutzungskonzepte für den Meienberg-Hof, vom privaten Wohnsitz einer sehr gut situierten Familie über eine spirituelle Kommunenstruktur bis zur Hunde- und Katzenpension, wurden in den letzten Jahren an die Eigentümerfamilie des Hofs herangetragen und geprüft. Wie oben geschrieben gehört die Revitalisierung von Baudenkmälern zu meinem Beruf und meiner Leidenschaft, und keine von den oben beschriebenen Lösungen würde ich diesem Juwel an Historie in Bau- und Lebenskultur sowie den Nachbarn im Weiler Winterschwil zumuten wollen. In einem viele Jahre dauernden Prozess hat sich eine sanfte Sanierung (wohlgemerkt in sehr enger Zusammenarbeit mit dem Aargauer Heimatschutz, was in dem Artikel leider anders dargestellt wurde und eben damit den 1987 erhaltenen Aargauer Heimatschutzpreis hochhaltend), die Rückführung des traditionellen Handwerks, die Öffnung des Hofs für die Allgemeinheit, die Wiederbelebung durch Menschen die diesen traumhaften Ort zu schätzen wissen, wie von der Montessori Erdkinder Schweiz Stiftung vorgesehen, als die beste Möglichkeit präsentiert, wie dem historischen Bestand langfristig die Sorge zuteil wird, die ihm gebührt.

Wenn sich nicht bald jemand um diese Liegenschaft(en) kümmert und Verantwortung übernimmt, wird das Gut zerfallen. Das kann unmöglich im Sinne der Gemeinde sein. Und hier stimmen mir die meisten Nachbarn, wie ich es verstanden habe, zu. Ich war bereit, diese Verantwortung zu übernehmen und habe eine Lösung, nach der so viele Jahre gesucht wurde, gefunden und den Weg soweit bereitet, dass die Lösung bewilligungsfähig ist. Trete ich somit autoritär auf, wie mir durch den Artikel von Herrn Ribolla wenig subtil vermittelt wird? Ja, ein wenig wohl. Zumindest rede ich mit den Beteiligten und missbrauche nicht eine politische oder journalistische Funktion für mein Eigeninteresse.

Was ich am 28. September den Gästen klar kommuniziert hatte war, dass, sollten sich die Winterschwilerinnen und Winterschwiler gesamthaft gegen unser Nutzungskonzept aussprechen, wir uns zurückziehen würden. Niemandem wäre gedient, würde man hier etwas erzwingen wollen. Sollten einzelne Befindlichkeiten oder gar Ängste auftreten, dann bin ich der Erste, der Hand bietet für einen Austausch. Daher konnte ich die vorgesehene Konsultativabstimmung nur gutheissen. Wäre diese nun nicht bereits durch Frau Stenico über Nacht organisiert worden, ich hätte sie durchgeführt, wie ich das auch am Informationsabend kommuniziert hatte. Ich hätte dann allerdings doch die Vorgaben für eine solche Abstimmung eingehalten, was Frau Stenico offenbar anders sah.

Meine Kommentare zum Artikel wurde von der Aargauer Zeitung leider ohne Angabe von Gründen gelöscht und erst nach zwei Tagen und mehrmaligem Eingeben freigeschaltet. Das ist schade und hat wenig mit meinem persönlichen Demokratieverständnis gemein. Aber das ist auch nicht die erste Hürde, die uns bei diesem Projekt in den Weg gelegt wurde.

Zu Herrn Ribollas xenophobischen Auswüchsen über mich als Deutschen (auch wenn dies heute nicht mehr notwendig sein sollte) möchte ich klarstellen, meine Wurzeln gründen in der Aathaler Textilindustrie. Das Geburtshaus meiner Grossmutter steht in Seegräben. Ich habe drei Kinder, alle mit Schweizer Pass. Ich bemühe mich beruflich um die Erhaltung von Schweizer Baudenkmälern. Es gibt durchaus Menschen, die sich Mühe geben in diesem Land, Schweizer und Nichtschweizer, und dann gibt es noch andere, die nur auf sich selbst schauen und recht ignorant durch die Welt tingeln.

Einige Tage nach Publikation des Artikels in der Aargauer Zeitung hatte ich ein sehr langes und sehr gutes Gespräch mit dem Gemeindeamman Albert Betschart. Er hat sich klar von Frau Stenicos Vorgehen distanziert und eine neutrale Beurteilung des Projekts durch den Gemeinderat versprochen. So hatte ich Herrn Betschart bereits bei all den bisherigen Begegnungen erlebt, geradeheraus, manchmal etwas stichelnd/herausfordernd (was mir gefällt) und fair. Wir waren uns einig, dass es dem Bezirk nicht zum Vorteil gereicht wenn Investitionen (ganz besonders in Kultur und Bildung) aus persönlichen Ambitionen heraus verhindert werden.

Nun hat Frau Stenicos Vorgehen und der Artikel von Herrn Ribolla eine Lawine ausgelöst, die ich nicht mehr zu stoppen vermag. Die zugesagte finanzielle Unterstützung für den Campus Lindenberg wurde im Hinblick auf den sehr negativen Artikel zurückgezogen, wie auch für weitere meiner Projekte. Die Montessori Erdkinder Schweiz Stiftung hat sich hierauf nun aus dem Projekt zurückgezogen.

An alle, die sich mit mir seit Jahren auf die erste Montessori Erdkinder Oberstufenschule der Schweiz gefreut haben, es tut mir von Herzen leid. Es wird wohl nicht der Campus Lindenberg sein. Die Kosten für die Entwicklung haben bereits ein zu grosses Loch in die Kasse gerissen.

Was lernen wir daraus? Das C hat nicht immer unmittelbar mit christlichen Werten zu tun, Erstens. Und Zweitens, die Aargauer Zeitung kann als Informationsquelle offensichtlich nicht Ernst genommen werden. Und noch etwas: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen. Der Businessplan ist bereit, das Netzwerk auch. Es wird sich ein anderes Juwel finden – und ein willkommener Empfang.

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