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Soziales

EMOTION REGULATION #6: EREIGNISSE UND EMOTIONEN IN KONFLIKTEN

Vor einigen Wochen nahmen israelische Streitkräfte bei einer Razzia in der Morgendämmerung mehrere Minderjährige in der Westbank fest, relativ nahe an unserem Wohnort. Ein Ereignis, das in der Westbank häufig vorkommt, von dem Sie aber nie etwas hören oder lesen werden. Es ist nichts, was Schlagzeilen macht wie die jüngsten Ereignisse in Gaza oder Syrien, dennoch möchte ich Sie zu einer kleinen Denkübung einladen:

Stellen Sie sich vor, Sie wären die Person, die derzeit in Haft sitzt. Aus Ihrer Sicht haben Sie nichts Schlimmes getan, ausser vielleicht mit den falschen Leuten rumzuhängen. Wie fühlen Sie sich?

Oder stellen Sie sich vor, Sie wären sein Elternteil, zutiefst davon überzeugt, dass Ihr Kind ein guter Junge ist, und müssten gleichzeitig die weinenden jüngeren Kinder und Ihren verzweifelten Ehepartner trösten?

Mir geht es hier nicht um die verschiedenen Perspektiven, andere Menschen arbeiten an diesem wichtigen Thema. Ausserdem konzentrieren wir uns absichtlich auf die palästinensischen Emotionen und nicht auf die israelische Seite, da wir die Erfahrungen der Palästinenser in diesem hartnäckigen Konflikt sowie die Mischung von Emotionen im Zusammenhang mit verschiedenen Arten von Ereignissen näher betrachten wollten. Es gibt einige interessante Arbeiten aus klinischer/traumatologischer Sicht, aber nicht viel aus sozialpsychologischer Sicht. Wir wollen mehr über allgemeine emotionale Reaktionsmuster herausfinden und idealerweise sogar eine Verbindung zu politischen Extremismus-Tendenzen herstellen.

Um ein kompliziertes Studiendesign zusammenzufassen: Obwohl die Häufigkeit konfliktbezogener Ereignisse für den durchschnittlichen Palästinenser im Vergleich zu dem, was in den Medien gezeigt wird, nicht allzu bedrückend zu sein scheint, sind die Auswirkungen der verschiedenen Ereignisse ziemlich intensiv und es gibt starke Verbindungen zu Emotionen wie Gruppenwut oder individuellem Hass, die – wie erwartet – zu einer stärkeren Unterstützung extremerer politischer Ansichten führen.

Wenn wir das ursprüngliche Beispiel weiter ausdehnen, stellen Sie sich vor, Sie sind ein Nachbar, der den Inhaftierten nicht besonders mag. Obwohl er aus einer angesehenen Familie stammt, ist er ein bekannter Unruhestifter und war es schon immer – wie fühlen Sie sich?

In der klinischen Psychologie gibt es das Konzept der “sekundären Traumatisierung”, d. h. die Auswirkungen von Ereignissen, die man nicht direkt miterlebt hat – gibt es einen ähnlichen Zusammenhang mit konfliktbezogenen Ereignissen? Werden sich zum Beispiel die Ereignisse in Gaza auf die Gefühle in der Westbank auswirken?

Dies ist eine der vielen weiteren Fragen, die wir in unserer nächsten Studie, die wir gerade abschliessen, herausfinden wollen – bleiben Sie dran… 

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