Soziales

EMOTION REGULATION #10: JAHRESBERICHT

Unlösbare Konflikte sind eines der schwierigsten Probleme der heutigen menschlichen Gesellschaft. Sie sind mit massiver Gewalt verbunden und beeinträchtigen das Wohlergehen der betroffenen Bürger grundlegend und behindern die potenzielle Entwicklung der betroffenen Gesellschaften.

Prof. Eran Halperin

Die Projektidee

Anders als eine Naturkatastrophe können hartnäckige Konflikte nicht nur auf technische oder logische Weise angegangen werden. Bei ihnen geht es weniger um reale Meinungsverschiedenheiten als vielmehr um gegensätzliche Ideologien, unterschiedliche Werte, die unter keinen Umständen aufgegeben werden und zu emotionalen Reaktionen auf konfliktbezogene Ereignisse führen. Das Verständnis dieser Emotionen – insbesondere gruppenbezogener Emotionen – ist entscheidend für unsere Bemühungen, zu einem dauerhaften Frieden beizutragen.

Alle Friedensvorschläge, die derzeit auf dem Tisch liegen, basieren auf gegenseitiger Angst und Misstrauen.

S., palästinensische Friedensaktivistin

Die grösste Massenvernichtungswaffe ist der Hass in unseren Herzen.

I., Ärztin aus Gaza

Warum Forschung?

In den letzten Jahren hat das Prinzip der “evidenzbasierten Interventionen” immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dabei geht es um die Frage: “Hat das, was ich mit guten Absichten erreichen will, wirklich die Wirkung, die ich mir wünsche?” Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht!

Gerade im Bereich hartnäckiger Konflikte, wie z.B. der Situation in Israel/Palästina, besteht – so die Ökonomen des bekannten “Copenhagen Consensus” – ein grosser Bedarf an besseren Programmen. Unsere innovative Zusammenarbeit zwischen Sozialpsychologie, dem Interdisziplinären Zentrum Herzliya mit Politikwissenschaften und der Universität Basel kann hier bahnbrechend sein.

Ihre Forschung klingt sehr wichtig und gibt Hoffnung auf neue Wege zur Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts.

A., Physicians for Human Rights

Was haben wir im ersten Jahr erreicht?

Aufbau eines Netzwerks von Partnern und Kontakten, wie einem jüdischen Rabbi, Friedensaktivisten beider Seiten, einem Fatah-Politiker und ehemaligen politischen Gefangenen.
Wir haben die volle Realität des Lebens im Heiligen Land erfahren. Für uns als Familie ist es besonders wichtig, mit beiden Seiten des Konflikts verbunden zu sein. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, in Israel zu leben, aber im Westjordanland zu arbeiten und unsere Kinder auf eine Schule zu schicken; unsere Kinder sprechen inzwischen fließend Arabisch.

Wie ist die Situation aus wissenschaftlicher Sicht?

Wir haben zwei wichtige quantitative Studien über die Auswirkungen von Konfliktereignissen auf die Emotionen von Palästinensern und die damit verbundenen Handlungstendenzen erfolgreich abgeschlossen.
Eine qualitative Studie über emotionale und verhaltensmässige Veränderungen aufgrund von Lebensereignissen bei ehemaligen Kämpfern und Widerstandsaktivisten ist noch nicht abgeschlossen.

Was wollen wir im nächsten Jahr erreichen?

Die Fertigstellung von zwei weiteren Studien, idealerweise bereits mit dem Fokus auf mögliche Interventionen. Dies ist jedoch ein sensibles Thema, und wir wollen mit Bedacht vorgehen.
Mehrere Fokusgruppen-Workshops über die mögliche Anwendung der Forschungsergebnisse mit den jeweiligen Teilnehmern und Aktivisten beider Seiten.
Insbesondere sind wir im Gespräch mit der Friedrich-Naumann-Stiftung über ein mögliches Anwendungsprojekt. 

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