Ökologie , Ökonomie , Soziales

ALPINE PERMAKULTUR – SELBSTVERSORGUNG IN CAMPO, VALLEMAGGIA (1.314 M.Ü.M.)

Kauf, Sanierung und langfristiger Betrieb des geschichtsträchtigen Palazzo Pedrazzini in Campo (Vallemaggia) als Wohn-, Seminar- und Rückzugsort

Das war die Idee der Stiftung WeContribute zu Beginn des letzten Jahres und die Energie, welche sich hinter dieser Idee über die folgenden Monate versammelte, war unglaublich. Im Sommer 2021 war die Unternehmung dann abrupt gestoppt worden. Warum? Mehr dazu hier.

Nun ist es nicht so, dass unser Team aufgegeben hat. Ganz im Gegenteil! Einmal Feuer gefangen…

Heute, und im Zusammenhang mit der von unserem Stiftungsrat Kai Isemann an die Erbengemeinschaft des Palazzo Pedrazzini gerichtete Bitte, den Übernahmeprozess weiterzuführen, dürfen wir mit grosser Freude ein permakulturelles Nutzungskonzept der ganz besonderen Art vorstellen. 

Alpine Permakultur – Selbstversorgung in Campo, Vallemaggia (1.314 m.ü.M.)

Autoren Yvonne Zwiker & Rüdiger Eck

Tutorin Stephanie Rauer

Kategorie Regenerative Landwirtschaft zur Selbstversorgung 

Projektzeitraum Mai bis November 2021

Zusammenfassung

Die Erbengemeinschaft des geschichtsträchtigen Palazzos in Campo Vallemaggia im Tessin sucht seit vielen Jahren nach einer Lösung, um das Objekt zu erhalten und hat den Schweizer Heimatschutz um Hilfe gebeten. Die Stiftung WeContribute, welche sich mit der Sanierung und langfristigen Nutzungskonzepten von sanierungsbedürftigen Baudenkmälern befasst, hat ein Nutzungskonzept für den Palazzo erarbeitet, dies in enger Zusammenarbeit mit dem Schweizer Heimatschutz und den lokalen Behörden und Unternehmungen.

Konzeptionell soll aus dem alten Gebäude im Maggiatal ein Wohn-/Seminar- und Retreat-Ort entstehen. Einige Menschen/Familien sollen dort leben und den Betrieb sicherstellen. Betrieben werden soll das Haus unter der Leitung der Stiftung WeContribute und in Zusammenarbeit mit einigen Hochschulen, NPOs/NGOs und bestenfalls mit Organisationen wie der Stiftung Ferien im Baudenkmal.

Mit Hilfe der Permakultur soll das Gemeinschaftsprojekt weitestgehend selbstversorgend gestaltet werden. Ziel dieser Arbeit ist die Gestaltung der unmittelbar an den Palazzo angrenzenden Grundstücke nach den Prinzipien der Permakultur. Weiter soll eine Einschätzung zur Selbstversorgung in dem auf ca. 1’320 m.ü.M gelegenen Ort abgegeben werden.

1   Einleitung

Von unserer Tutorin Stephanie Rauer von GiOCa Permacultura im Tessin haben wir erstmals von dem spannenden Projekt rund um den Palazzo Pedrazzini in Campo erfahren. Wir wurden an einer partizipativen Gartenplanung von ihr angefragt, ob wir gemeinsam das Projekt in Campo im Rahmen unserer Permakultur-Diplomausbildung als eine unserer Diplomarbeiten bearbeiten möchten. Sehr schnell haben wir die spannende Aufgabe übernommen, da das Projekt für uns ein sehr gutes Lernfeld zu verschiedenen Themen bietet. Dazu gehört der Anbau von Nahrungsmitteln in Höhenlagen oder das Thema Selbstversorgung für eine grössere Gruppe.

Der Aufbau der vorliegenden Arbeit orientiert sich an der Designmethode TEEPUR mit den einzelnen Schritten, Träumen, Entdecken, Entwickeln, Planen, Umsetzen und Reflektieren.

Im letzten Kapitel haben wir noch eine Einschätzung zur Selbstversorgung für ca. 30 Personen in Campo erarbeitet. Dies soll helfen das Potential einzuschätzen. Die Abschliessende Reflexion nutzen wir, um unser eigenes Erleben des Projektes unter den besonderen Voraussetzungen und unseren Lernerfolg zu beschreiben.

2   Träumen

Im ersten Kapitel soll der Traum bzw. die Vision für das vorliegende Grundstück beschrieben werden. Der Palazzo Pedrazzini in Campo Vallemaggia soll in einem grossen Projekt saniert und später von der Stiftung WeContribute betrieben werden. In enger Abstimmung mit wertverwandten Organisationen und den Denkmalschutzbehörden soll ein Wohn-/Seminar- und Retreat-Ort entstehen. Das Tal und das Gebäude werden so wiederbelebt und einige Bewohner/Familien sollen zukünftig ganzjährig im hinteren Maggiatal leben. Ein wichtiger Aspekt der Nutzung ist die Selbstversorgung durch die Bewirtschaftung des Landes nach den Prinzipien der Permakultur. Die hier beschriebene Vision ist aus einem Gespräch einer der Initianten entstanden. Die zukünftigen Bewohner sind noch nicht gefunden und haben sich auch nicht an dem Traum beteiligt. Die Vision der Selbstversorgung wurde bereits durch unsere eigenen Gedanken ergänzt.

Zusammenfassend kann der Traum in zwei miteinander verbundene Aspekte geteilt werden:

Wirtschaftliche und soziale Aspekte

  • Fester Wohnort für Einzelpersonen und Familien inkl. Arbeit in Campo
  • Sanfter Tourismus
  • Verbindung zu den Dorfbewohnern
  • Kleine Konzerte und Theater
  • Kunstschaffende als Bewohner
  • Austragungsort für Meetings und Ausbildungen
  • Sitzplätze und kleine Bühne im Freien
  • Erlebnis- und Erholungsgarten
  • Zusammenarbeit mit Natur-/Tierschutzorganisationen
  • ca. 40 Gästebetten

Garten & Selbstversorgung 

  • Anbau von Gemüse, Kräutern, Obst und Beeren nach den Prinzipien der Permakultur
  • Vielfältige Gartenanlage um den Palazzo zur Freude und Ernährung aller Lebewesen
  • Hoher Anteil an Selbstversorgung und möglichst ganzjähriger Anbau von Lebensmitteln
  • Schaffen von stabilen und natürlichen Kreisläufen zur Steigerung der Produktivität in den kommenden Jahren
  • Funktionierendes Wassersystem auf dem Gelände
  • Kleintierhaltung (Hühner, Enten, Hasen)
  • Entdeckungswelt für Kinder

3   Entdecken

In der Phase “Entdecken” geht es um die Beobachtung des Grundstückes rund um den Palazzo in Campo. Beobachtet werden die geographische Lage, die Sonneneinstrahlung, die Besitzverhältnisse, vorhandenes Wasser und weitere Rahmenbedingungen.

3.1   Ort & Geografische Lage

Der Ort Campo liegt im Val di Campo auf 1’314 m.ü.M., 26 km nordwestlich von Locarno im Kanton Tessin. Die Gemeinde Campo ist ein Zusammenschluss mehrerer Weiler und war im Spätmittelalter eine Siedlung von beachtlicher Grösse. Im 16. Jahrhundert lebten über 1’000 Personen in Campo. Um 1700 waren die Dörfer im Tal sehr reich und zogen vermögende Tessiner Familien in seine Abgeschiedenheit. Berühmte Geschlechter wie die Pedrazzini, Porta oder Fabri sind hier verwurzelt. Es folgten mehrere Phasen grösserer Abwanderungen, da es zu wenig Arbeitsplätze und Siedlungsflächen für die Bewohner gab. So schrumpfte die Einwohnerzahl zwischen 1683 und 1900 um 95.6%. 2018 lebten noch 53 Einwohner in Campo.

Ein grosser Teil des Gebietes leidet unter Erdverschiebungen. Bereits 1858 war die Kirche von Campo 30 Meter talwärts gerutscht. Erst aufwendige Baumassnahmen konnten die Verschiebungen in Campo weitestgehend stoppen.

Die Gemeinde ist drei- bis vier Mal täglich durch die Postautolinie an den öffentlichen Verkehr angeschlossen.

Der Palazzo Pedrazzini liegt am westlichen Rand von Campo. Oberhalb des Palazzo befindet sich die Strasse nach Cimalmotto, dem letzten Ort im Tal. 

Abb. 1, Vogelperspektive auf den Palazzo Pedrazzini, Quelle: Google Maps

Adresse Casa Pedrazzini, CH 6684 Campo ( Vallemaggia)

Grundstück Nr. 481-490, 1144

Fläche 4’500 qm

Zone Bauzone

Eine Karte mit Höhenlinien und farbiger Markierung der Hangneigungen (Abb. 2) zeigt, dass das Land unterhalb des Palazzo Pedrazzini fast eben ist und Richtung Süden im weiteren Verlauf nur sehr leicht abfällt. Hinter dem Haus ist das Land etwas steiler, aber noch unter 30 Grad. Einzig nördlich der Strasse oberhalb des Palazzo befinden sich im Wald steilere Hangpartien zwischen 30 und 45 Grad. Das Land vor dem Palazzo ist mit einigen Trockenmauern leicht Richtung Osten abfallend terrassiert.

Abb. 2, Höhenlinien in Campo, Quelle: WhiteRisk

In die Planung einbezogen werden die Parzellen 481 bis 490 und die Parzelle 1144 (Abb. 3). An der Nordseite des Hauses auf den Parzellen 481, 1144 und 489 kann allenfalls ein früheres fünfstöckiges Gebäude wieder aufgebaut und als Gästehaus genutzt werden. Die drei Parzellen werden deshalb vorerst nicht in die Planung einbezogen. Auch die Besitzer der umliegenden Parzellen sind bisher nicht in die Planung integriert worden. Laut Aussage des Auftragsgebers kann mit weiteren Parzellen in Campo in der Landwirtschaftszone zum Aufbau einer Selbstversorgung gerechnet werden. Dies wird momentan nur im Ausblick berücksichtigt.

Abb. 3, Parzellenplan Palazzo Pedrazzini, Quelle: GIS TI

3.2   Klimatische Aspekte

Sonnenverlauf

Die von der Strasse abgewandte Hausseite mit den davor liegenden Parzellen ist nach Süd-Südost ausgerichtet. Dadurch ergibt sich ganzjährig eine sehr lange Sonnenscheindauer. Am ersten Januar geht die Sonne um 08:08:41 Uhr auf und um 16:50:52 unter. Am 1. Juni ist Sonnenaufgang um
5:37:14 Uhr und Sonnenuntergang um 21:11:02 Uhr.

Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die reale Sonnenscheindauer auf das Gelände durch die umliegende Bergwelt beeinflusst wird. Beobachtungen in Campo, auch durch den Auftraggeber, haben gezeigt, dass ganzjährig zumindest für einige Stunden Sonne auf das Land rund um den Palazzo scheint.

Abb. 4, Sonnenverlauf 01.01.2021, Quelle: www.sonnenverlauf.de
Abb. 5, Sonnenverlauf 01.06.2021, Quelle: www.sonnenverlauf.de

Temperatur, Niederschlag und Wind

Die folgenden Klimagraphiken von meteoblue zeigen die Daten von Cimalmotto, dem etwas höher gelegenem Nachbarort am Ende des Tals. Cimalmotto liegt keine 100 Höhenmeter oberhalb von Campo, d. h. die Temperaturabweichung zu Campo beträgt maximal 0.5 Grad Celsius. Bezüglich Niederschlagsmenge sollte es durch die geographische Nähe keine grossen Abweichungen geben. Zwischen November und März ist mit einem durchschnittlichen Tagesminimum unter 0 Grad zu rechnen.

Mit Frostnächten sogar zwischen September und Mai. Die höchsten durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen im Juli und im August zwischen 10 und 20 Grad. An sehr heissen Tagen wird es im Hochsommer bis zu 25 Grad warm. Ganzjährig kann mit Niederschlag gerechnet werden. In den Wintermonaten beträgt die Niederschlagsmenge monatlich zwischen 50 und 75 mm, während im Sommer pro Monat durchschnittlich ca. 100mm Niederschlag erwartet werden können.

Abb. 6, Durchschnittliche Temperatur und Niederschlag

In den Wintermonaten gibt es mehr bedeckte Tage, allerdings auch mehr sonnige Tage. In den Sommermonaten ist es häufig bedeckt und es gibt mehr Niederschlagstage als im Winter (siehe Abb. 7). 

Auch im Sommer sind gelegentlich Frosttage möglich. In den Wintermonaten von Dezember bis März ist kaum mit Temperaturen über 0°C zu rechnen. Im Juni, Juli und August steigen die Temperaturen mehrheitlich über 10°C. (siehe Abb. 8).

 

Abb. 7, Wolken-, Sonne- und Niederschlags-Tage
Abb. 8, Maximale Temperaturen

Abbildung 9 zeigt, dass auch in den Sommermonaten gelegentlich Schneetage möglich sind. Von November bis April sind in der Graphik monatlich über 10 Schneetage erkennbar. In den Sommermonaten fällt an über 15 Tagen jeden Monat Niederschlag.

Die Windgeschwindigkeiten liegen in den Wintermonaten mehrheitlich zwischen 19 und 28 km/h, während in den Sommermonaten die Windgeschwindigkeiten deutlich tiefer liegen (Abb. 10).
In der Windrose in Abbildung 11 kommt der Wind meist aus Nordwest oder etwas weniger aus Südost. Die tatsächliche Windrichtung im Tal konnte nicht beobachtet werden. Es ist davon auszugehen, dass der Wind eher entlang des Tals von Ost nach West weht, wie das meist in den Alpentälern der Fall ist. Von Nordwest bietet der angrenzende Wald zudem guten Schutz vor starken Winden.

Abb. 9, Niederschlagsmengen
Abb. 10, Windgeschwindigkeit
Abb 11, Windrose

3.3   Vorhandene Ressourcen 

Sonnenfalle

Die Süd- und Südost-Seite des Palazzo bietet mit seiner hohen Steinmauer eine bereits vorhandene Wärmefalle.

Wärmespeicher

Die Hauswand aus Stein kann als Wärmespeicher für das davor liegende Land genutzt werden. Weiter sind auf dem ganzen Land Trockenmauern und Steine vorhanden, die in der richtigen Anordnung auf dem Land als zusätzlicher Wärmespeicher für den Anbau von Nahrungsmittel genutzt werden können.

Windschutz

Um das Land vor dem Palazzo sind Bäume, Büsche und Mauern vorhanden, die bereits als Windschutz dienen können.

Wasser

Die riesige Dachfläche aus Stein kann zum Auffangen von Regenwasser genutzt werden. Östlich des Hauses fliesst ein Bach aus den dahinter liegenden Bergen. Zur Zeit der Schneeschmelze im Frühling führt dieser sehr viel Wasser, aber auch in den Sommermonaten fliesst permanent Wasser in dem angrenzenden Bach.

Im Inneren des Hauses gibt es im Untergeschoss einen eigenen Brunnen. Es muss noch geklärt werden, ob dieser noch betrieben werden kann.

Gebäude

Im Untergeschoss des Gebäudes sind zahlreiche Lagerkeller vorhanden, die optimale Bedingung zur Konservierung der Ernte über die Wintermonate bieten.

Vorhandene Ressourcen im Ort

In unmittelbarer Nähe zum Palazzo befindet sich das Boutique-Hotel Locanda Fior di Campo. Das Hotel gehört ebenfalls einem Mitglied der Familie Pedrazzini. Synergien bei der Produktion von Nahrungsmitteln, der Unterbringung von Gästen oder dem Marketing für Campo sind denkbar.

Munt la Reita: Der Bio-/Permakultur-Hof von Samuel Senn und Familie in Cimalmotto kann durchaus als verlässliche Informationsquelle dienen, schliesslich betreibt die Familie Senn seit 1986 einen Selbstversorgerhof im Nachbarort. Zwischen 2016 und 2018 wurde auch die Permakultur zur Erweiterung des Grundkonzeptes integriert. Zum anderen können auf dem Hof regionale Nahrungsmittel bezogen werden. Ob weitere Synergien genutzt werden können, muss im Verlauf des Projektes geprüft werden.

3.4   Sektorenanalyse

In der Sektorenanalyse wird aufgezeigt, welche Energien Einfluss auf das Land haben. Dazu gehören Sonne, Wind, Wasser, Wege, Nachbarn, Aussicht, Wildtiere usw.

Abbildung 12 zeigt vorhandenes Wasser, die Hauptwindrichtung und die Wege rund um den Palazzo. Weiteren Einfluss werden Wildtiere aus dem darüberliegenden Wald auf das Land im Herbst haben. Hier gilt es die Ernte durch einen Zaun vor Frassschäden zu schützen. Die hinter dem Grundstück liegende Strasse sollte auch in den Sommermonaten nicht sehr stark befahren sein und es ist nicht mit grosser Lärmbelästigung oder Verschmutzung zu rechnen.

Bei den Nachbarn ist darauf zu achten, dass die Lärmbelastung während Veranstaltungen erträglich bleibt. Eine gute Möglichkeit wäre sicher, dass sie in irgendeiner Form mit einbezogen werden. Einige Gäste werden evtl. im Hotel Fior di Campo nebenan logieren, so dass das Hotel auch von der Unternehmung am Palazzo profitieren kann. Laut dem Auftraggeber stehen die Nachbarn dem Projekt positiv gegenüber und wollen das Projekt unterstützen, auch indem Landwirtschaftsland zur Verfügung gestellt werden kann.

Abb 12, Sektorenanalyse

3.5   Zusammenfassung der Beobachtungen

Die Lage auf über 1’300 M. ü. M. ist sicher einer der entscheidenden Klimafaktoren in Campo. Die Temperatur nimmt pro 200 Höhenmeter um 1° C ab. Das Maggiatal zählt zu den schneereichsten Tälern der Schweiz. In dieser Höhe kommt dazu, dass es, wie die Klimadaten zeigen, im Sommer häufig bewölkt ist. Das schirmt mehr Wärme und Licht ab, was die Pflanzen zur Fotosynthese benötigen. In den Bergen regnet es im Sommer mehr, wodurch die Temperaturen weiter sinken. Der Wind ist in Höhenlagen häufig stärker und wird durch die Geländeformen an einzelnen Stellen noch zusätzlich verstärkt.

Die Vegetation in Campo wird im Vergleich zum Tal einige Monate hinterherhinken. Im Freiland kann frühestens im Mai mit dem Anbau von Gemüse begonnen werden und auch dann sind noch besondere Schutzmassnahmen für die Setzlinge in sehr kalten Nächten notwendig. Im Oktober muss spätestens das letzte Gemüse geerntet und der Garten auf den Winter vorbereitet werden. Viele einjährige Pflanzen wie Stangenbohnen und Vertreter der Kürbisfamilie können bereits bei einmaligem Frost absterben. Entscheidend ist hier nicht der kalte Winter, sondern die Spätfröste im Frühling. Hier reicht ein halbes Grad unter Null und viele Pflanzen nehmen ernsthaften Schaden. (Whitefield, 2014)

Die Spätfröste sind meist nur leicht und betreffen nur wenige Standorte, während andere verschont bleiben. Die Lage an der Südseite des Palazzo ist sicher durch die geschützte Lage sehr geeignet für den ersten Anbau von Nahrungsmitteln. Die Gebäudemauern bieten eine vorhandene Wärmefalle. Mit wenigen Massnahmen kann das Mikroklima hier noch optimiert werden. Die Nutzung weiterer Flächen in Campo evtl. in Verbindung mit grösseren baulichen Massnahmen (Gewächshäuser, Erdgewächshäuser) oder Windschutzbepflanzungen sollte sicher erst nach einer längeren Beobachtungszeit von mind. einem Jahr erfolgen. Dies war uns im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich. Versuche mit der lokalen Bevölkerung Kontakt aufzunehmen und mehr über die lokalen klimatischen Verhältnisse zu erfahren wurden aufgrund des Projektunterbruchs erschwert. Man konnte in den wenigen Gesprächen aber gut spüren, dass es im hinteren Maggiatal sehr schwierig ist, einen Hof zu betreiben. Gerade der Sommer 2021 mit Starkregen, Hagel und Temperaturstürzen hat dies sehr deutlich gezeigt.

4   Überraschende Projektänderung

Ende Juni 2021 haben wir erfahren, dass unser Ansprechpartner und Mitinitiant des Projektes in Campo aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig von allen exekutiven Funktionen zurücktreten musste. Eine regelmässige Absprache mit dem Auftraggeber war daher leider nicht möglich und wir haben unsere eigene Ideen in das Projekt einfliessen lassen. Insgesamt sind wir auf einer hohen “Flughöhe” geblieben.

5   Entwickeln 

5.1   SWOT-Analyse zur Selbstversorgung in Campo 

Stärken

  • Grosse Landflächen
  • Finanzen
  • Genug Wasser/Niederschlag/Sammeln von Wasser (Dachfläche)
  • Wenig Schädlinge in der Höhe
  • Vorhandene Wärmefalle durch Gebäude
  • Sonnenenergie
  • Lagerkeller
  • Brunnen im Gebäude
  • Ausreichend Arbeitskraft durch Bewohner
  • Freie Gestaltungsmöglichkeit für ein neues Konzept
  • Offenes Gelände, keine sehr nahen Nachbarn
  • Hotel in Fussdistanz

Chancen/Möglichkeiten

  • Innovationscharakter
  • Tierhaltung
  • Kein Spätfrost nach Blüte
  • Geeignete Sortenwahl
  • Seminare anbieten
  • Campo wird mehr belebt
  • Gebäude und Anlagen werden immer gepflegt
  • Sortenvielfalt anbauen
  • Raum für Konzerte

Schwächen

  • Keine Gewächshäuser vorhanden
  • Magerer Boden
  • Höhenlage
  • Keine direkten Ansprechpartner
  • Keinen Zeitplan
  • Abgeschiedenheit

Herausforderungen

  • Höhenlage
  • Kurze Saison
  • Magerer Boden
  • Sortenwahl
  • Schneerisiko ganzjährig
  • Bewohner finden
  • Ausreichend Fläche finden
  • Baubewilligungen für Gewächshäuser
  • Kosten Bau
  • Wind
  • Wildtiere

5.2   Funktionsanalyse

Anhand der Funktionsanalyse soll überprüft werden, ob die geplanten Elemente resilient miteinander verbunden sind. Als Grundsatz gilt:

Drei Elemente für jede Funktion, drei Funktionen für jedes Element.

Benötigte Funktion

Geplante Elemente

Sitzplatz für Feste

Bühne, Sitzgelegenheit, Blumen, Feuerstelle

Selbstversorgung/Nahrung 

Gemüsebeete, Kräuterbeete, Obst, Bienenhonig, Pilze, Eier, Hühner, Waldgarten, Gewächshäuser, Steinterrassen, Beerensträucher, Naschhecke, Holz, Wald, Anzuchtgewächshaus/Walipini, Hügelbeete

Humus aufbauen

Kompost, Pyrolyse, Wurmkompost, Kompostmieten, Hauskompost, Mulch, Gründünger, Pflanzenjauche, Komposttoilette, Komposttee, Mist

Natürliche Schädlingsbekämpfung

Hühner, Igel, Lebensräume schaffen, Insektenhotel, Natursteinmauern, Enten, Gänse

Blühender, vielfältiger Garten

Blumen, Kräuter, Gemüse

Gemüse lagern

Lagerkeller, Naturkeller, Sandkisten, Gefriertruhe, Regale

Rückzugsplätze

Kräuterliege, Sitzplatz, Hängematten, Windschutz, Sonnenschutz, Pergola, Teich, Kneipbecken

Wasser im ganzen Gebiet

Teich, Trockenbach, Leitungen

Wassermanagement, Wasserspeicher

Brunnen, Swale, Dachwasser auffangen

Ruheplatz

Hängematte, Liegefläche, Sitzgelegenheit

Nahrung für Tiere

Blumen, Nektar, Hühnerfutter anbauen, Früchte, Körner, Gemüse

Lebensraum für Tiere

Insektenhotel, Steinhaufen, Asthaufen, Steinmauern, Hühnerstall

Windschutz

Hecken, Sträucher, Benjeshecke

Wärme für Sitzplätze

Steinmauern, Feuerschalen, Windschutz, Sonneneinstrahlung

Lernmöglichkeit/Experimentierfläche

Ganzer Garten, Beschriftungen

Schatten

Bäume, Sonnensegel, Dachvorsprung, Hauswand

Sitzplätze

Stühle, Bänke, Steinmauern, Holzrugel, Wiesenfläche

Bühne

Holzfläche, Wiesenfläche, Kiesfläche, Steinplatten

Aufbewahrung Nahrungsmittel

Lagerkeller, Erdkeller, Kühlschrank, Regale

Die graphische Verbindung der Funktionen und Elemente in Abbildung 13 zeigt die vielfältigen Vernetzungen, welche für Stabilität und Resilienz im geplanten Permakultur-Garten führen. In der Abbildung wurden beispielhaft nur einige Vernetzungen aufgezeigt, da sonst die Nachvollziehbarkeit verloren geht.

Abb 13, Vernetzung Funktionen und Elemente

5.3   Permakultur Grundsätze nach Bill Mollison und David Holmgren 

Von der Natur lernen

  • Strukturen, Muster und Formen in der Natur erkennen, verstehen und bei der Planung einsetzen
  • Naturabläufe nachahmen
  • Mit der Natur arbeiten
  • Achtsam die Veränderung im Jahresverlauf beobachten
  • Pflanzen, Tiere, Bodenstruktur auf dem Grundstück kennenlernen

Vielfalt ermöglichen

  • Mischwirtschaft statt Monokultur schaffen
  • Geschickte Artenabfolge planen
  • Mit einer hohen Vielfalt an Pflanzen, Tieren und Elementen das System fördern
  • Sinnvolle Pflanzengemeinschaften einrichten
  • Verschiedene Zonen und unterschiedliche Lebensräume realisieren

Vernetzung fördern

  • Querverbindung zwischen altem Gärtnerwissen und neuen Erkenntnissen schaffen
  • Vernetzung unter Menschen fördern, dabei die Bedürfnisse der Menschen einbeziehen
  • Jedes Element erfüllt mehrere Aufgaben – jede wichtige Aufgabe wird von mehreren Elementen erfüllt – die vielfältigen Funktionen kommen zum Tragen
  • Die Elemente stehen in Beziehung zueinander, ergänzen und begünstigen einander

Resiliente Systeme schaffen

  • Dauerkulturen und ausgeglichene Ökosysteme schaffen
  • Die Systeme der Umgebung anpassen
  • Mit einer Vielfalt ausgewählter Elemente, toleranter Pflanzen und Vernetzungen auf extreme Wetterveränderungen wie Trockenheit, Hagel, Kälte, Schädlinge reagieren können
  • Energie effizient nutzen
  • Energie einfangen, speichern und klug nutzen – zum Beispiel mit Sonnenfallen, Terrassen, Gewächshäusern, Teichen, Steinen
  • Kurze Wege und optimale Arbeitsabläufe planen
  • Minimierung der Fremdenergie anstreben

Kreisläufe einrichten und Ressourcen optimal nutzen

  • Gesunden und nachhaltigen Bodenaufbau anstreben
  • “Arbeitsplätze” für Pflanzen, Tiere und Menschen einrichten anstatt Maschinen einsetzen
  • Material und Energie möglichst aus nächster Nähe beziehen und so Kreisläufe schliessen
  • Kompostwirtschaft einrichten
  • Hügelbeete und Aquaponiksysteme anlegen
  • 7R beachten Refuse (Ablehnen), Reduce (Reduzieren), Rethink (Überdenken), Repair (Reparieren), Reuse (Wiederverwenden), Recycle (Wiederverwerten), ROTT (Kompostieren)

Kooperation und Integration fördern

  • Kooperation Stadt – Land (Vertragslandwirtschaft) fördern
  • Integration von Wildpflanzen und verschiedenen Bedürfnissen (Pflanzen, Tiere, Menschen), Erholung, Freunde, Lärmschutz, Ernte usw.
  • Vielfältig bepflanzte Baumscheiben ergeben vielfältige Ernten, Elemente begünstigen sich gegenseitig
  • Schichten und Stapeln

Positive und kreative Lösungen suchen

  • Für einen nachhaltigen Lebensstil über das herkömmliche Denkschema hinausdenken
  • Nach individuellen Lösungen für das konkrete Grundstück suchen – zum Beispiel ein Walipini für das Hanggrundstück planen
  • Elemente an die lokalen Gegebenheiten und die Bedürfnisse anpassen – zum Beispiel ein Gewächshaus mit Aquaponik ergänzen, die Wände begrünen
  • Mit anderen nach kreativen Lösungen suchen – zum Beispiel einen Tauschhandel oder Gemeinschaftsgärten initiieren

Wasser effizient nutzen

  • Regenwasser an der höchsten Stelle auffangen und speichern, in möglichst vielen Zwischenstationen durch die Anlage laufen lassen und vielfältig nutzen, schliesslich möglichst sauber wieder in den Kreislauf bringen
  • Wasser als Wärmespeicher nutzen (Teich, Wasserspeicher im Gewächshaus usw.)
  • Mit Regenwasserspeicher Leitungswasser ersetzen
  • Effiziente Bewässerung einsetzen
  • Tröpfchenbewässerung
  • Wasserspeichernde Elemente planen wie Swales, Teiche usw.

Gestalten und optimal anordnen

  • Alle Elemente so planen, dass die meisten nützliche Beziehungen zu anderen Elementen wirksam werden (zum Beispiel das Hühnerhaus neben dem Kompostplatz oder den Teich vor dem Gewächshaus einrichten)
  • Möglichst kleine, möglichst intensiv genutzte Bereiche und möglichst grosse, möglichst extensiv oder nicht genutzte Bereiche einrichten
  • Sorgfältige Zonenplanung, Gestaltungs- und Umsetzungsprozesse realisieren Formen aus der Natur übernehmen (Mäander, Wellen, Tropfen, Netze usw.) auch für die Geländemodellierung

6.0   Planen

6.1   Zonenplanung

In der folgenden Abbildung ist die Zonenplanung rund um das Gebäude eingezeichnet. Auf die Zone 4 wurde bewusst verzichtet. Falls, wie vom Auftraggeber informiert, zukünftig deutlich mehr landwirtschaftliche Fläche in Campo zur Verfügung steht, wird sich die Zonenplanung durch die gewonnenen Möglichkeiten deutlich verändern. Beim aktuellen Stand des Projektes macht eine Zone 4 aus unserer Sicht wenig Sinn. Allerding war uns wichtig eine Zone 5 zu integrieren. Diese soll auch in die anderen Zonen durch Ast- und Steinhaufen oder unberührte Hecken erweitert werden.

Zone 0 ist das Gebäude, in dem die Menschen leben. Zone 1 wird intensiv gepflegt. Angebaut werden vor allem Gemüse, Salat und Kräuter, welche viel Pflege benötigen und häufig in der Küche gebraucht werden. In Zone 2 werden weniger pflegeintensive Gemüsesorten, ein Teich, der Kompostgarten und eine Pilzzucht hinter dem Haus geplant. Die Terrassierung in Zone 3 ermöglicht den Anbau von wenig pflegeaufwendigen Beeren oder Reben.

Zone 1 = Bühne und Gemüse

Zone 2 = Teich, Kartoffeln, Kräuter- und Kompostgarten und Pilzgärten hinter dem Haus

Zone 3 = Terrassierung, Reben und Beeren

Zone 5 = Wildniszone

Folgende Nutzfläche ergibt sich in der Zonenplanung rund um den Palazzo Pedrazzini: Zone 1 und 2: ca. 980 qm, Zone 3: ca. 330 qm, Zone 5: ca. 350 qm, im Total: ca. 1’660 qm. 

 

Abb 14, Zonenplanung

6.2   Gedanken zur Planung

Wie bereits beschrieben ist das Ziel vom Projekt Campo eine Selbst- respektive Teilversorgung der Bewohner und Gäste, sowie ein Angebot an Kursen und Veranstaltungen. Da die momentane Fläche für eine Selbstversorgung nicht ausreicht, haben wir beschlossen, das zur Verfügung stehende Gelände bestmöglich zu nutzen, um auf die erweiterten Bedürfnisse wie Gäste, Konzerte, Kurse usw. einzugehen. Der Gästebereich wird für Campo vermutlich eine der grösseren Einnahmequellen werden. Was auch bedeutet, dass viele Menschen diesen Ort besuchen und erleben werden.

Wir möchten das Sinnliche, Nützliche, Praktische, Notwendige und Erforderliche miteinander verbinden. Bei den Konzerten gibt es viele Besucher und Hotelgäste, welche sich im Garten aufhalten dürfen und trotzdem möchten wir viel Fläche für die Früchte- und Gemüseproduktion behalten und nutzen. Deshalb wurde eine Bühne integriert, die verschiedene Aufgaben übernehmen kann: Konzertbühne, Meditationsraum oder die Fläche wird mit Stühlen und Tischen umfunktioniert in einen Essraum, in eine Arbeitsstätte für Kurse, in einen Verarbeitungsraum bei der Ernte usw. Um die Bühne werden essbare Blüten, Kräuter, Gemüse, Hecken und Beerensträucher angepflanzt, damit die Sinne (Duft, Auge) angeregt werden.

Weitere Sitzgelegenheiten bieten die Steinmauern entlang der Hausmauer. So braucht es nicht zusätzliche Flächen für Stühle. Diese wurden so geplant, dass sie einer Sitzhöhe entsprechen und mit Kissen zu einer angenehmen Sitzoase werden. Diese Bereiche sind vom Haus aus leicht erreichbar und bedienbar. Wenn in die Wege Bistrotische platziert werden, kann auch da eine Essgelegenheit entstehen.

Zudem haben die betörenden Düfte der Kräuter sowie Blüten der dahinter liegenden Beete eine heilende, aufhellende, angenehme Wirkung auf die Zuhörer. Gleichzeitig wird die von der Sonne aufgewärmte Hausmauer genutzt und die Rankhilfen helfen den Spalierbäumen wie: Apfel, Birne, Zwetschge, Pflaume usw., der Hauswand emporzuwachsen.

Im Teich speichern wir das Dachwasser. Er dient gleichzeitig als Wärmespeicher für die Umgebung und versorgt den Brunnen und den Garten während der schneefreien Zeit mit Wasser. Zudem ist er eine Wohlfühloase für Amphibien, Insekten, Bewohner und Gäste.

Für Kinder ist die ganze Anlage eine Lernstätte und eine Wasser-Kügelibahn aus Holz wird manches Kinderherz erfreuen.

Im Wald- und Kompostgarten wird das Gold des Gärtners produziert. Um die Wachstumsphase zu verlängern, benötigen wir in dieser Höhe unbedingt ein Gewächshaus. Hier werden Jungpflanzen angezogen sowie wärmeliebende Pflanzen wie: Tomaten, Kürbisse, Zucchetti usw. angebaut und geerntet. Das Gewächshaus profitiert zudem von der abgehenden Wärme des angrenzenden Hühnerhauses. Die Hühner sind ein Bestandteil der Nahrungskette und werden zur Mithilfe im Garten eingesetzt.

Auf der restlichen verbleibenden Fläche vor dem Palazzo werden Beerensträucher und vor allem diverse Gemüse, Kartoffeln und Karotten angebaut und auf der Nordseite im schattigen Innenhof wird ein grosser Pilzgarten angelegt.

Westlich vom Gebäude am Hang wird das Gelände terrassiert. Diese Fläche eignet sich für Reben in Höhenlagen oder wärmeliebende Kräuter und Gemüse.

Wieviel zusätzliche Fläche für eine Selbstversorgung nötig wird, ist separat beschrieben. 

Abb 15, Gartenplanung Seitenansicht
Abb 16, Gartenplanung Vogelperspektive

6.3   Planzliste

Da wir die Vorlieben und Wünsche der künftigen Bewohner nicht kennen, haben wir eine Liste erstellt mit Gemüsen, Kräutern Blumen usw., welche in dieser Höhe angebaut werden können. Aufgrund der späten Fröste sollte darauf geachtet werden, spätblühende Sorten zu bevorzugen. Für sehr kälteempfindliche Pflanzen sollte ein Gewächshaus vorhanden sein.

Bei Bäumen sind speziell gezüchtete Sorten für Höhenlagen erhältlich. Beim Kauf ist dies unbedingt zu berücksichtigen.

 

Abb. 17, Pflanzenliste

7   Umsetzung

Die Umsetzung dieses Vorhabens ist aus oben genannten Gründen derzeit sistiert. 

Die folgenden Angaben zur Selbstversorgung sind dem Buch “Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten” von Andrea Heistinger entnommen. Es ist nicht einfach, den Bedarf an Nahrungsmitteln zur Selbstversorgung richtig abzuschätzen. Hier spielen die Ernährungsform, besondere Vorlieben und Abneigungen eine Rolle. Auch müssen bei einer Selbstversorgung sicher neue Nahrungsmittel in den Speiseplan aufgenommen werden, weil sie z.B. besonders ertragreich, winterfest oder gut lager-oder konservierbar sind.

Weiter ist entscheidend, wie hoch der Anteil Selbstversorgung schlussendlich sein soll und wie viel eingekauft oder eingetauscht wird. Um den tatsächlichen Bedarf zu kennen, muss man einige Jahre ausprobieren, d.h. eigene Erfahrungen sammeln. Dies gilt besonders für eine grosse Gruppe, wie dies in Campo geplant ist.

Die folgenden Tabellen zeigen Bedarfsmengen, die allerdings lediglich als Orientierung dienen können, auf Basis der Richtwerte der österreichischen und deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die Tabellen beziehen sich auf Menschen, die sich gemischt ernähren – also auch tierische Produkte verzehren. Für Vegetarier und vegan lebende Menschen liegen die Empfehlungen für pflanzliche Lebensmittel entsprechend höher. Es muss allerdings direkt erwähnt werden, dass in Campo auf über 1’300 M. ü. M. eine Selbstversorgung aus rein pflanzlichen Produkten sehr unrealistisch ist. Besonders die pflanzlichen Fette und Öle können in dieser Höhe nicht in ausreichender Menge produziert werden. Putz- und Schälverluste und evtl. Lagerverluste müssen in die Mengenberechnungen einkalkuliert werden. Die Empfehlungen der Ernährungsgesellschaften gehen von der verzehrfertigen Menge aus. 

 

Abb. 18, Mengenkalkulation für Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte

Wichtige Informationen zur Selbstversorgung in Campo kann auch die Ernährungsweise früherer Generationen im Tessin geben. In einem Artikel “Die bäuerliche Küche früherer Jahrhunderte” auf der Homepage www.ticino.ch wird beschrieben, dass die Ernährung der Tessiner Bauernbevölkerung arm und eintönig war. Kastanien, Polenta und später Kartoffeln bildeten die Grundnahrungsmittel, während Fleisch nur selten verzehrt wurde. Kastanien gab es das ganze Jahr. Roggen, Mais und Weizen gab es nur zu besonderen Anlässen. Polenta wurde zunächst aus anderen Getreidesorten, wie z.B. Hirse, hergestellt. Mais und Kartoffeln wurden erst im 19. Jahrhundert im Tessin angepflanzt. Dazu kamen Gemüse, Rüben oder Bohnen und Reis. Älpler konnten durch Rahm, Butter und Quark eine vielseitigere Ernährung geniessen. Erst im 20. Jahrhundert kamen Speisen wie Risotto dazu und der Fleischkonsum ist angestiegen.

In einem weiteren Artikel “Getreidebau im Alpenraum und in der Südschweiz (Tessin)” konnten weitere Hinweise zur Ernährung in früheren Jahrhunderten im Tessin gefunden werden (www.muehle-fraubrunnen.ch). Im Tessin hat wohl die Menge angebauten Getreides nicht zur Selbstversorgung gereicht. Getreide wurde bis in eine Höhe von 1’000-1’200 m angebaut. Die Viehzucht war hier allerdings der Hauptzweig der Landwirtschaft. Bis auf 800 m war ein zweijähriges Fruchtfolgesystem verbreitet, was zu einer Steigerung der Erträge führte. Die Ernten waren insgesamt sehr gering. Roggen wurde bis auf eine Höhe von ca. 1’500 m angebaut, was sich auch an den Getreidespeichern “Torba” erkennen lässt. Die typischen Speicher finden sich auch im hinteren Maggiatal (Fusio und Bosco Gurin).

Die beschriebenen Beispiele zeigen, dass eine sinnvolle Tierhaltung die Selbstversorgung in dieser Höhenlage sehr vereinfachen kann und in einem vertretbaren Mass empfohlen werden kann. Das macht allerdings nur Sinn, wenn ausreichend Land zur Verfügung steht, um auch die Tiere ohne Zufuhr von Tiernahrung versorgen zu können. 

8.2   Fächenbedarf

Abb. 19, Flächenbedarf Selbstversorgung

Der Flächenbedarf zur Selbstversorgung hängt von zahlreichen Faktoren ab. Dazu gehören die Erfahrung des Gärtners, die Bodenfruchtbarkeit, das zur Verfügung stehende Wasser, usw. Ein weiterer wichtiger Faktor ist sicher die geographische Lage der Anbaufläche.

Unter optimalen Bedingungen kann ein erfahrener Gärtner ca. 3 kg Gemüse pro Quadratmeter ernten. Die Erntemenge von 3kg Gemüse pro Quadratmeter wird von verschiedenen Autoren, wie z. B. Margarete und Jakobus Langenhorst (Buch: “Mischkultur und naturgemässe Bodenpflege”, 1986) oder Ehrenfried Pfeiffer und Erika Riese (Buch: “Der erfreuliche Pflanzgarten”, 1940), bestätigt (aus Heistinger A., et al., 2018.)

Eine weitere Herausforderung ist die kontinuierliche Versorgung mit Nahrungsmitteln über das ganze Jahr. Bei Selbstversorgern sind oft Kartoffeln und Karotten die Basisversorgung für den Winter. Insgesamt sollte allerdings auf eine grosse Vielfalt geachtet werden. Einmal um eine sichere Ernte zu erzielen, da nicht jede Sorte in jedem Jahr gleich gut wächst. Zum anderen um eine grosse Vielfalt an verschiedenen Inhaltsstoffen zu garantieren.

Heistinger A., et.al. beschreiben in ihrem Buch “Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten” eine Studie aus Deutschland, welche den pro-Kopf-Verbrauch bei ökologischer Anbauweise in den Flächenbedarf umgerechnet. Die Studie wurde im Auftrag der Regionalwert AG Freiburg durchgeführt. Für den statistischen Jahresverbrauch pro Kopf von 60 kg Gemüse sind rund 20 m2 und für den Jahresverbrauch von 65 kg Kartoffeln sind 32 qm nötig. Dazu kommen 34 qm für 47 kg Obst pro Kopf und Jahr. Diese Angaben weichen allerdings in anderen Ländern ab und der Flächenbedarf hängt natürlich von der geographischen Lage ab.

Andere Berechnungen berücksichtigen die ernährungswissenschaftlich empfohlenen Verzehrmengen, die aus gesundheitlicher Sicht deutlich höher liegen. Diese gehen davon aus, dass wir deutlich mehr Obst und Gemüse und weniger tierische Produkte essen sollten. Für 110 kg Obst benötigt man rund 80 qm, für 180 kg Gemüse rund 60 qm und für 60 kg Kartoffeln etwa 60 qm. Für einen 4-Personen-Haushalt kommt man hierbei auf eine Anbaufläche von ca. 620 qm.

Viele ältere Berechnungen (Leberecht Migge 1881-1935, Bier 1920, Langerhorst 1986, Ehrenfried Pfeiffer und Erika Riese) kommen zusammenfassend auf einen Ertrag von ca. 3 kg Gemüse pro qm Beet. Diese Erträge lassen sich noch steigern, wenn mit dem damals nicht bekannten Überwinterungsanbau von Gemüse gearbeitet wird.

8.3   Einschätzung Selbstversorgung in Campo

Im folgenden Abschnitt soll abgeschätzt werden, was die dargestellten Berechnungen für den Pro-Kopf-Verbrauch und den Flächenbedarf für das Projekt in Campo bedeuten. Es wurden keine Berechnungen für die erzielbaren Erträge in einem Tal auf über 1’300 m.ü.M. gefunden. Die Ertragsmenge von 3 kg Gemüse pro qm Beet gelten wahrscheinlich unter idealen Bedingungen bei geeigneten klimatischen Verhältnissen, einer hohen Bodenfruchtbarkeit, ausreichend Wasser und einem erfahrenen Gärtner. Aus der eigenen Erfahrung sind in Höhenlagen ähnliche Erträge möglich, allerdings ist die zur Verfügung stehende Gartensaison sehr kurz und extreme Wetterereignisse wie vorübergehende Kälteperioden, starke Winde, Schnee oder Hagel können einen grossen Teil der Ernte vernichten. Dies gilt allerdings auch zunehmend für tiefere Lagen.

Sicher wird es in Campo einige Jahre in Anspruch nehmen, bis ein guter Humus aufgebaut wurde und die Bewohner ausreichend Erfahrung im Gemüseanbau auf ihrem Land gesammelt haben, um hohe Erträge erzielen zu können.

Das Projekt in Campo ist auf ca. 30 Bewohner ausgelegt, die ganzjährig im hinteren Maggiatal leben. Dazu kommen ca. 40 Gästebetten, die hoffentlich gut belegt sind, um den Bewohnern einen Lebensunterhalt zu garantieren. Die folgenden Berechnungen beziehen sich zunächst auf die 30 Bewohnerinnen und Bewohner. Der Anbau von Obst ist in grösseren Mengen im hinteren Maggiatal aus klimatischen Gründen wahrscheinlich kaum möglich oder mit hohem Risiko von regelmässigen Ernteausfällen verbunden.

Denkbar sind einzelne Obstbäume an der Hauswand oder kälteunempfindliche Beeren wie Stachel- oder Johannisbeeren. Auch verschiedene Sorten Minikiwi sind denkbar. Deshalb müssen die Empfehlungen angepasst und mehr auf den Anbau unempfindlicher Gemüsesorten gesetzt werden.

Der Flächenbedarf pro Person liegt für den Anbau von ausreichend Obst, Gemüse und Kartoffeln zwischen 86 und 170 qm, je nachdem, ob man die statistische oder die empfohlene Verzehrmenge als Grundlage verwendet. Für 30 Personen in Campo sind demnach zwischen 2’580 und 5’100 qm Fläche notwendig. Dies allerdings erst mit sehr fruchtbarem Boden und einer optimalen Gartenbewirtschaftung.

Da die Saison in Campo deutlich kürzer ist, sollte von einem höheren Flächenbedarf ausgegangen werden. Weiter braucht es ausreichend Lagerfläche und Gemüse und Obst sollten auf verschiedene Weise haltbar gemacht werden. Sicher muss empfohlen werden verschiedene Möglichkeiten zur Saisonverlängerung zu nutzen. Dies sind vor allem beheizte Gewächshäuser oder Erdgewächshäuser.

Wegen der Höhenlage und der klimatischen Verhältnisse sollte die Ernährung in Campo auf jeden Fall durch tierische Produkte ergänzt werden. Dies einmal, um den Eiweiss- und Fettbedarf zu decken, zum anderen, um auch in der kalten Jahreszeit ausreichend Nahrungsmittel zur Verfügung zu haben. Denkbar sind Eier, aber auch Schaf-, Kuh- oder Ziegenmilch zur Produktion von Käse. Abhängig von der Ernährungsweise der Bewohner ist auch der Verzehr von Fleisch möglich.

Da hier noch viele Fragen offen sind, ist der Flächenbedarf für eine geeignete Tierhaltung nur schwer abzuschätzen. Der Flächenbedarf ist hier höher als für den Gemüseanbau und man muss grob von 1’300 qm pro Person ausgehen.

Die SWOT-Analyse in Kapitel 5.1 zeigt, dass es durchaus viel Potential für eine Selbstversorgung in Campo gibt. Es sind auch Stärken vorhanden, die die Situation in Campo für den Anbau von Nahrungsmitteln in den nächsten Jahrzenten verbessern können. Dazu gehören z. B. weniger Schädlinge in der Höhe, eine geringere Wahrscheinlichkeit von extremen Hitzewellen.

Eine abschliessende Einschätzung ist allerdings sehr schwierig, da wenig über die Bewohner oder die zur Verfügung stehende Fläche im Dorf bekannt ist. Empfohlen werden kann sicher mit der Gestaltung der unmittelbaren Hausumgebung, wie in der Arbeit beschrieben, zu beginnen und erste Erfahrungen zu sammeln. Das Land sollte sicher in allen vier Jahreszeiten genau beobachtet werden bevor weitere landwirtschaftliche Flächen genutzt werden oder mit dem Bau von Gewächshäusern oder Ähnlichem begonnen wird. Wo sind Kälteseen? Wo liegt am längsten Schnee? Wie ist die tatsächliche Windrichtung? Wo sammelt sich Wasser? Usw.?

Ein weiterer wichtiger Schritt, der empfohlen werden kann, ist die Vernetzung zu anderen Produzenten im Tal. Sicher sind die ansässigen landwirtschaftlichen Betriebe froh, regelmässige Abnehmer für ihre Produkte ohne lange Transportwege zu finden. Später kann hier ein Austausch von Nahrungsmittel entstehen, der sicher das Speiseangebot für alle vielseitiger macht und zu spannenden sozialen Kontakten führt.

9.0.  Reflexion

Das spannende Projekt in Campo sollte aus unserer Sicht auf jeden Fall weiterverfolgt werden. Das Gebäude mit seiner langen Geschichte ist erhaltenswert und es bleibt zu wünschen, dass es nach einer notwendigen Rennovation in Zukunft sinnvoll und nachhaltig genutzt wird. Eine vollständige Selbstversorgung im hinteren Maggiatal bleibt unrealistisch und sollte zumindest nicht von Beginn an das Ziel sein. Erst wenn das Land mindestens ein Jahr in allen Jahreszeiten beobachtet wurde, weiteres Landwirtschaftsland in Campo und Umgebung zur Verfügung steht und Bewohner mit ausreichend Erfahrung in Landwirtschaft, Gärtnern und Permakultur gefunden wurden, kann die Vision schrittweise weiterverfolgt werden.

Das Land um den Palazzo kann bis dahin in der beschriebenen Weise zum Sammeln von Erfahrungen und einer teilweisen Selbstversorgung der Bewohnerinnen und Bewohner genutzt werden. Unbedingt anzustreben ist eine zunehmende Vernetzung im Tal, auch in Bezug auf die Versorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln. Erst dadurch entsteht der hohe Mehrwert für das gesamte Tal.

In nicht zu ferner Zukunft können die Höhenlagen durch die offensichtlichen Klimaveränderung für den Anbau von Nahrungsmitteln unter Anwendung der Prinzipien der Permakultur sehr interessant werden.

Für uns selbst hat das Projekt sehr vielversprechend begonnen. Den ersten Austausch mit dem Projektinitiant in Campo haben wir als sehr motivierend erlebt. Die Begeisterung für das Projekt ist schnell auf uns “übergeschwappt” und dem traditionsträchtigen Gebäude an einem wunderschönen Ort wurde auch in unseren Gedanken Leben eingehaucht.

Der Ausstieg unseres Ansprechpartners aus dem Projekt ohne geregelte Nachfolge war für uns ein schwieriger Moment. Wir hätten weitere Gespräche über die Vision in Campo und weitere Hintergrundinformationen zum Dorf Campo und den Bewohnern benötigt, um das Projekt zu entwickeln. Wir haben versucht mit der lokalen Bevölkerung Kontakt aufzunehmen, um mehr über die klimatischen Verhältnisse und das Zusammenleben im hinteren Maggiatal zu erfahren, was allerdings gescheitert ist. Folglich ist unsere Motivation kurzfristig deutlich gesunken und wir haben zeitweise an einen Abbruch des Projektes gedacht. Erst die Vereinbarung mit unserer Tutorin das Projekt auf einer hohen Flughöhe zu beenden und als persönlichen Lernfortschritt zu nutzen, hat uns die Arbeit wieder aufnehmen lassen. Sehr hilfreich war in diesem Moment, dass wir das Projekt in einem 2er-Team bearbeitet haben. So konnten wir immer die Motivationstiefs gegenseitig auffangen.

Die beschriebenen Umstände sind auch gleichseitig der grösste Lernerfolg. Wir haben schnell gemerkt, dass ein Projekt ohne regelmässige Gespräche und Rückmeldungen eines Auftraggebers kaum möglich und auch nicht sonderlich motivierend ist. Ohne Abnehmer der investierten Arbeit sinkt auch die Motivation. In weiteren Projekten werden wir sicher mehr Zeit in die Erfassung des Traums/der Vision zusammen mit den Betroffenen investieren. Wenn man das Ziel nicht kennt, ist jeder Weg der Richtige. 

Weiter ist die Beobachtung des Landes um den Palazzo sicher zu kurz gekommen. Man kann viele Daten aus Quellen im Internet über Wetter und klimatische Verhältnisse, Wind- und Sonnenverlauf, usw. finden. Dies ersetzt gerade in Berggebieten niemals die Beobachtungen vor Ort und es bleibt immer eine Unsicherheit, ob man die richtigen Entscheide gefällt hat. Die umliegenden Berge werfen Schatten, der Wind wird abgelenkt und an Engstellen verstärkt, Frostsenken können die Temperaturen an einzelnen Stellen massiv verändern, usw. Ohne ausführliche Beobachtung über mehrere Jahreszeiten ist es sicher nicht sinnvoll ein Permakultur-System zur Selbstversorgung zu designen. Wir konnten uns deshalb nur auf das Land in unmittelbarer Nähe des Palazzo beschränken, da wir hier durch die Sonnenfalle und die Exposition von relativ erwartbaren Bedingungen ausgehen konnten.

Wir wünschen den Initianten, Familien und allen Beteiligten viel Erfolg bei der Umsetzung und Realisation dieses Vorhabens.

Yvonne Zwicker & Vincent Eck

Kontakt

www.permakultur.ch | Yvonne Zwiker | Rüdiger Eck

Literaturverzeichnis

Bachmann, Ch., et. al. (2017). Permakultur. Grundlagen und Praxisbeispiele für nachhaltiges Gärtnern. Haupt Verlag

Fassmann, N. (2017). Auf gute Nachbarschaft. Pala-Verlag

Heistinger, A., et. al. (2018). Basiswissen Selbstversorgung aus Biogärten. Löwenzahn-Verlag

Holzer, S. (2018). Sepp Holzers Permakultur. Leopold Stocker Verlag Lagerhorst, M. (2017). Meine Mischkulturen Praxis. Verlag Walter Lau

Ortner, M. (2017). Permakultur beginnt im Garten. Österreichisches Institut für angewandte Ökopädagogik

Pan, M.P. (2018). Down to earth. Down-to-earth.ch

Whitefield, P. (2014). Was wir für die Erde tun können. Permakultur-Akademie im Alpenraum

www.ticino.ch

www.muehle-fraubrunnen.ch

Bezugsquellen für Saatgut in der Schweiz

www.arthasamen.ch

www.biogarten.ch

www.biosem.ch

www.prospecierara.ch

www.biosamen.ch

www.saemereien.ch

www.sativa-rheinau.ch

www.zollinger.ch

Bio Gärtnereien

www.biobaumschule.ch

www.bioterra.ch

www.holderriedspflanzenwelt.ch

www.chutzegarte.ch

www.wildstauden.ch

www.wildstauden-gaertnerei.ch

www.obiomio.ch 

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