Soziales

EMOTION REGULATION #11: ADVENT

Wie schon im letzten Jahr ist es absolut faszinierend, die Advents- und Weihnachtszeit hier in der Gegend um Jerusalem und Bethlehem zu verbringen!

Wir gehen mit den Kindern zum St. Martinsumzug durch den Maristan der Jerusalemer Altstadt, zum Adventsmarkt in einem Kreuzfahrerkloster, besuchen die Shepard’s Fields mit Freunden aus der Schweiz und feiern Chanukka mit jüdischen Freunden. Zu Weihnachten planen wir eine nächtliche Pilgerfahrt von Jerusalem nach Bethlehem, die von der Erlöserkirche organisiert wird.

Bei all dieser Folklore, die sich auf eine schöne Zeit mit der Familie konzentriert, vergisst man leicht, worum es bei Weihnachten wirklich ging – die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus und Lukas hat mehr mit einer aktuellen syrischen Flüchtlingsgeschichte zu tun – Binnenvertreibung aufgrund der römischen Besatzung, massive Gewalt durch König Herodes und Flucht nach Ägypten – als mit dem, was wir daraus gemacht haben (Familie, leckeres Essen, Weihnachtsbaum und Geschenke).

Der Theologe Walter Brüggemann unterstreicht, dass der Advent geistlich gesehen zumindest in gewissem Masse ein Gewaltakt ist, eine neue geistliche Realität tritt in die Welt ein und bedroht die bestehenden Mächte. “…Unsere Vorbereitung auf Weihnachten ist kein sicheres, privates oder gar familiäres Unterfangen, sondern beschäftigt sich mit den grossen öffentlichen Fragen von Krieg und Frieden und Fragen der Gerechtigkeit, die den Wert und das Wohlergehen der Menschen betreffen. Der Advent ist eine Zeit, in der wir von außen angesprochen und verunsichert werden.”

Während wir weiterhin unsere Forschungsergebnisse im Lichte der unterschiedlichen Theorien zwischen Gruppe und individuellem Selbst interpretieren und kommunizieren, konnte ich nicht umhin, die Parallelen zu bemerken: Unsere Zielgruppe sieht sich in mehrfacher Hinsicht mit vergleichbaren Ereignissen konfrontiert, die ihr von einer anderen Instanz aufgezwungen werden, und Gefühle von Ungerechtigkeit und Demütigung lösen Fragen nach der angemessenen Reaktion auf der Grundlage der eigenen Identität aus.

Lassen Sie uns in dieser Weihnachtszeit und darüber hinaus weiterhin unruhig sein und fleissig daran arbeiten, dass “Gott in der Höhe die Ehre gegeben wird und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen”. 

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